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Einzelhändler sind skeptisch
Von unserem Redakteur Thomas Dorn
Brackenheim - Wohin entwickelt sich die Einkaufsstadt Brackenheim? Eine spannende Frage. Da ist einerseits die jüngste Kaufkraftanalyse der IHK Heilbronn-Franken. Sie belegt, dass "Brackenheim als Einkaufsstandort ein Stück weit zurückgefallen ist", wie Hauptamtsleiter Steffen Heinrich im Gemeinderat einräumen musste. Andererseits plant die Stadt die Ansiedlung neuer Einzelhandelsgeschäfte auf dem Areal an der Hermann-Bauer-Straße ("Hintergrund"). Dass es dort eine ganze Reihe potenzieller Investoren gibt, ist für Bürgermeister Rolf Kieser ein Beleg, "dass Brackenheim nach wie vor ein attraktiver Standort ist". Mitglieder des Forums Innenstadt wiederum fürchten, dass sich die Überbauung dieses Areals auf ihre Läden negativ auswirken könnte.
Rückgänge Deren Sprecherin Gabriele Rebel berichtete in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats von teilweise "massiven Rückgängen" beim Umsatz. 22 Monate mit der Rathausbaustelle in der Innenstadt und Parkplatzproblemen hätten sich negativ ausgewirkt: "An manchen Tagen haben wir keine 20 zahlenden Kunden mehr." Rebel sprach von einem raueren Markt, von Kunden, die mobiler geworden seien, vom täglichen Kampf gegen das Internet. Und sie wies auf die Gefahr leer stehender Geschäfte in der Innenstadt hin. Vor diesem Hintergrund bat sie den Gemeinderat, die Auswirkungen der Bebauung an der Hermann-Bauer-Straße genau zu bedenken. "Wir würden bei den Planungen gerne mit ins Boot genommen werden", verdeutlichte Rebel.
Bürgermeister Kieser war über die Stellungnahme nicht ganz glücklich. Er rückte die Chancen des geplanten Projekts in den Vordergrund. "Wir wollen verlorene Kaufkraft wiedergewinnen. Die Hände in den Schoß zu legen, gar nichts zu machen, wäre tödlich." Er verwies auf fehlende Branchen, die auch das Brackenheimer Einzelhandelsgutachten belegt hatte: "Ziel ist es, sie zu besetzen."
Dass die Rahmenbedingungen eigentlich gut sind, verdeutlichte Steffen Heinrich, der die wesentlichen Ergebnisse der jüngsten IHK-Studie zur Kaufkraft in der Region vorstellte. Mit einer einzelhandelsrelevanten Kaufkraft von 5502 Euro je Einwohner und Jahr − deutschlandweiter Durchschnitt: 5300 Euro − steht Brackenheim zwar hinter anderen Unterzentren wie Lauffen (5725) oder Weinsberg (5621), aber vor Bad Rappenau (5413), Eppingen (5162), Bad Friedrichshall (5016).
Kaufkraftabfluss Der Einzelhandelsumsatz (3764 Euro) liegt dagegen deutlich hinter Weinsberg (6409) oder Lauffen (5456). Und der Blick auf die sogenannte Einzelhandelszentralität zeigt, dass relativ viel Kaufkraft an umliegende Orte abfließt. Warum? "Andere Kommunen haben aufgerüstet", so Heinrich. Dann gebe es eine Stagnation des Einzelhandelsangebots in Brackenheim. Und das Problem der Flächenstadt: Die Teilort-Bewohner steuern zum Einkauf auch andere Nachbarorte an: die Botenheimer Bönnigheim, die Neipperger Schwaigern, die Dürrenzimmerner Nordheim.
Den Ausbau des Angebots an der Hermann-Bauer-Straße sieht Heinrich als große Chance, Kaufkraft zu binden und Zentralität zurückzugewinnen. Er versprach eine "Expansion mit Fingerspitzengefühl".
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