Der Bürger muss sich einmischen

Volker Bohn möchte Bürgermeister werden − In der Linkspartei politisch heimisch geworden

Der Bürger muss sich einmischen
Volker Bohn wohnt seit einigen Jahren in Brackenheim. Jetzt möchte er am liebsten den Chefsessel im Rathaus einnehmen.Foto: Andreas Veigel

Brackenheim Er traut sich was zu. "Man muss in dieser Position nicht der absolute Verwaltungsfachmann sein", sagt Volker Bohn. Bürgermeister in einer Stadt wie Brackenheim ist für ihn zunächst "ein politisches Amt". Und deshalb fordert der 60-jährige Diplom-Wirtschaftsingenieur und selbstständige Handelsvertreter am 4. Dezember Amtsinhaber Rolf Kieser bei der Bürgermeisterwahl heraus.

Visionen entwickeln, die großen Linien vorgeben, Kontakte zur Wirtschaft pflegen. Das sind für Bohn wesentliche Aufgaben eines Rathaus-Chefs. Für die Tagesarbeit, so stellt er sich das vor, gibt es die Amtsleiter und ausgebildeten Verwaltungsleute. "Die Mannschaft müsste mich stützen", sagt der gelernte Maschinenschlosser. Im übrigen gelte: "Learning by doing."

Wechsel Bohn, in der Freiburger Gegend aufgewachsen, war immer ein politischer Mensch. Mit 18, unter Willy Brandt, ist er in die SPD eingetreten. Unter Schmidt trat er wieder aus: "Mehr Demokratie wagen? Das Versprechen wurde nicht eingelöst." Danach hat er "den gleichen Fehler gemacht wie der Kretschmann", schloss sich für ein Jahr dem Kommunistischen Bund Westdeutschland an: "Die waren der Realität völlig entrückt." Auch bei den Grünen arbeitete er, ohne Mitglied zu sein, eine Weile mit. Richtig warm wurde er mit ihnen nicht.

Nach 15 Jahren, in denen er "nichts mehr gemacht" hat, fand er politisch doch noch seinen Frieden: 2007 trat er der WASG bei, seit deren Fusion mit der PDS gehört er der Linkspartei an. "Da fühl’ ich mich heimisch", sagt der geschiedene Vater zweier erwachsener Kinder. Keine Kriegseinsätze, Auflösung der NATO, soziale Gerechtigkeit − das sind Ziele, die er gut mittragen kann. "Brot für alle" ist für den "demokratischen Sozialisten" und Sprecher der linken Unternehmer in Baden-Württemberg der Schlüssel für ein gelingendes Miteinander der Weltgemeinschaft.

Demos Dass die Bürger sich in die Politik einmischen, "ihren Willen auf der Straße zum Ausdruck bringen", hält er für wichtig. Von Anfang an war er bei den Demonstrationen gegen Stuttgart 21 dabei. In Brackenheim hat er einige Monate den "Schwabenstreich" organisiert.

Dass er jetzt als Bürgermeister kandidiert, hat für das Mitglied im Kreisvorstand der Linken nichts mit der Partei zu tun. Es ist für ihn Ausdruck von Demokratie: "Der Bürger soll eine Auswahl haben." Sein Programm: Wiederbelebung der Zabergäubahn, Übernahme des kommunalen Stromnetzes in städtische Hand, kostenfreier Besuch von Kindergärten und Krippen, Erhöhung des Personalschlüssels. Brackenheim sei finanziell dazu in der Lage.

Seine Wahlchancen schätzt der 60-Jährige, der in seiner Freizeit am liebsten Motorrad fährt und fotografiert, realistisch ein: "Ich sehe den Herrn Kieser als Favoriten."