Altes Liedgut immer wieder neu entdecken

Kirchenchor der evangelischen Gregoriusgemeinde feiert 100-jähriges Bestehen

Von Uwe Mundt

Altes Liedgut immer wieder neu entdecken
Verstärkt durch Sänger aus Kirchheim feierte der evangelische Kirchenchor Jubiläum in der Gregoriuskirche. Foto: Uwe Mundt

Neckarwestheim - Die Sängerinnen und Sänger des Kirchenchors der evangelischen Gregoriusgemeinde Neckarwestheim feierten ihr 100-jähriges Bestehen. Gemeinsam mit Mitgliedern des Kirchheimer Kirchenchores und einem Instrumentalensemble führten sie ein beeindruckendes Konzert mit Werken von Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy auf, das die zahlreichen Besucher im Gotteshaus mit lang anhaltendem Beifall belohnten.

Aufbruch Ist das neue Lied, dass die Christen aufgefordert sind, dem Herrn zu singen, nach 100 Jahren nicht das alte Lied, fragte Pfarrer Hermann Scherb. Seine Antwort: ein neues Lied könne auch ein sehr altes sein, wenn einer es für sich neu entdecke. Dies sei im vergangenen Jahrhundert die Aufgabe des Kirchenchores gewesen, altes Liedgut immer wieder neu aufzunehmen.

Der Beginn des 20. Jahrhunderts müsse in Neckarwestheim wohl eine Zeit des Aufbruchs gewesen sein, vermutete der Besigheimer Dekan Martin Luscher. Denn zwei Jahre vor dem Kirchenchor, 1909, sei schon der evangelische Posaunenchor ins Leben gerufen worden. Seitdem habe der Chor eine große Leistung für das kulturelle Leben der Gemeinde erbracht. Heute gebe es nicht einmal mehr in allen Gemeinden einen aktiven Kirchenchor.

Einen Satz Noten hatte Bürgermeister Mario Dürr als Jubiläumsgeschenk mitgebracht. Das hundertjährige Bestehen des Chors habe gezeigt, wie fest verankert er im Gemeindeleben sei. Darauf könnten Chor und Gemeinde stolz sein. Froh war der Rathauschef darüber, dass heute die Tradition der Musikpflege wieder wichtig sei.

Dem kirchenmusikalischen Schaffen Bachs war ein großer Teil des Konzerts gewidmet. Mit schönen, weichen Stimmen trugen die Sopranistin Mechthild Heuthe und die Mezzosopranistin Christine Arnold die Kantate "Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten" vor. In barocker Fülle erklang die Kantate "Gott soll allein mein Herze haben". Die Altistin Cornelia Lanz mit ihrer samtenen Stimme wurde dabei von einem Instrumentalensemble, das sich für das Konzert zusammengefunden hatte, adäquat begleitet.

Zu einem großen Ereignis gestalteten Sänger und Musiker, allen voran der Jubiläumschor unter der Leitung des Kirchheimer Dirigenten Fred Schuster, die Kantate "Gott, man lobet dich in der Stille", mit dem Bach seine Meisterschaft in der Kunst der protestantischen Kirchenmusik unter Beweis stellte.

Innig Zwei Gesänge von Felix Mendelssohn Bartholdy trug der verstärkte Chor unter Leitung von Susanne Zimmer innig vor: "Jauchzet dem Herrn alle Welt" und "Singet dem Herrn ein neues Lied". Das Auditorium wurde auch am Kirchengesang beteiligt und sang Paul Gerhards Preislied "Du meine Seele, singe". Am ersten Advent, 27. November, wird der Kirchenchor nochmals feiern.