Ganz auf Ökumene gepolt
Von Stefanie Pfäffle
Untereisesheim - Schweden ist ihre zweite Heimat. Für die nächsten sechs Jahre soll es mit Stockholm auch wieder ihr Zuhause werden. Am Wochenende verabschiedete die evangelische Kirchengemeinde Untereisesheim Pfarrerin Susanne Blatt. In knapp acht Jahren stieß sie viele Projekte an. Die einzelnen Gruppen sagten mit einem gemeinsamen Buch voller Erinnerungen auf Wiedersehen.
Von Lauffen in die Welt „Sie hatten von Anfang an eine ökumenische Biografie“, stellte Dekan Otto Friedrich fest. Das verdankt Blatt wohl dem ökumenischen Institut Bossey, in dem sie mit 50 Leuten aus verschiedenen Ländern und Konfessionen zusammen lebte und studierte. „Danach ist man ziemlich ökumenisch gepolt, und das vergisst man auch nie wieder“, erzählt die zweifache Mutter. Durch Reisen nach Indien und Pakistan stellte sie zudem fest, wie wichtig ihr die weltweite Kirchenerfahrung ist. Daran dachte die gebürtige Lauffenerin als Schülerin noch nicht. Zwar machte sie in Religion Abitur, interessierte sich neben den philosophischen Gedanken der Theologie aber auch noch für Bühnenbilder und Tiermedizin.
Für Theologie bekam sie ein Stipendium, also ging es nach Frankfurt, Tübingen, Heidelberg und Schweden zum Studieren. Blatt erkannte: Seelsorge, die Begleitung von Menschen bei wichtigen Ereignissen wie Taufe, Hochzeit oder Tod, liegt ihr sehr am Herzen.
Untereisesheim war ihre erste Gemeinde mit Geschäftsführung, mit 1850 Mitgliedern nicht klein, aber trotzdem überschaubar. Sie selbst sei auch eher volkskirchlich geprägt, deswegen fehle ihr die kaum vorhandene traditionelle Bindung der Untereisesheimer zu ihrer Kirche nicht. „Der Vorteil daran ist, sie sind für vieles offen, ich konnte viel ausprobieren“, erzählt die 43-Jährige. Dazu gehört die Jungseniorengruppe 60 Plus Minus, der Chor Cantus Firmus, der inzwischen etablierte lebendige Adventskalender, die Wirkung der Kinderkirche nach außen oder auch die derzeit laufende Umweltzertifizierung der Gemeinde mit dem grünen Gockel.
Ihre Hauptaufgabe sah Blatt dabei in der Menschenfischerei, wie sie sagt. „Es geht darum, Leute zu finden, die so etwas machen können, denn alles alleine geht nicht.“
Sprachkenntnisse Doch so sehr ihr die Gemeinde auch gefiel, Susanne Blatt zieht es weiter. Zum dritten Mal bereits geht sie als Pfarrerin nach Schweden, diesmal in die deutsche Sankt-Gertrud-Gemeinde nach Stockholm, die älteste deutsche Auslandsgemeinde der Welt.
Viele Kontakte und die fließenden Sprachkenntnisse erleichtern die Umgewöhnung. „Die Großstadtsituation mit den vielen Konfessionen reizt mich“, begründet Susanne Blatt den Schritt. So werde sie auch dort im ökumenischen Rat mitarbeiten. Und wenn es ihr im Norden doch mal kalt werden sollte, erwärmen sie die vielen angekündigten Besucher aus dem Unterland.
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