So modern kann Latein klingen

Von unserer Mitarbeiterin Stefanie Pfäffle

So modern kann Latein klingen

"In der Kompaktheit alles zu bekommen, was man in mühsamen Einzelteilen erarbeitet hat, darüber bin ich sehr zufrieden."

Ulrich Heffter

 

Schwaigern - Ulrich Heffter strahlt bis über beide Ohren. "Also für mich war es ein einmaliges Erlebnis", gibt der Leiter des katholischen Gemeindechores St. Martinus Schwaigern zu. "In dieser Kompaktheit alles zu bekommen, was man vorher in mühsamen Einzelteilen erarbeitet hat, darüber bin ich sehr zufrieden." Gerade ist das Konzert der Sängerinnen und Sänger unter viel Applaus zu Ende gegangen. Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr die "Missa in Jazz" von Peter Schindler.

Experiment Markus Kohler nennt es in seiner Begrüßung ein Experiment. Monatelang hatte sich der Gemeindechor, unterstützt von einigen Projektsängern, intensiv mit dieser Jazzmesse auseinandergesetzt. "Dass unser Chor in der klassischen Musikliteratur sehr gut unterwegs ist, zeigt er uns regelmäßig, jetzt freuen wir uns über den Mut, sich an zeitgenössische Musik zu wagen." Mit Erfolg.

Schon im Kyrie zu Beginn der Messe fragt sich der Zuschauer, ob die Gänsehaut noch von den Außentemperaturen herrührt oder nicht doch von den Stimmen. Sanft, zurückhaltend startet der Chor, dann, fast einem Startschuss gleich, sind Schlagzeug (Stefan Wagner) und Bassgitarre (Jochen Würzl) mit von der Partie. Als Gerhard Schäfer mit der Klarinette einsetzt, ist das Jazzambiente perfekt. Der darf sich denn auch gleich ein bisschen austoben, während der Chor als dichtes Stimmenband im Hintergrund bleibt. Beim Gloria klingt Latein plötzlich modern, die Instrumentalisten um Moritz Heffter am E-Piano bringen mal melancholische, mal aufstrebende Stimmung in den Kirchenraum. Mal scheint der Chor, brillieren die Soprane in der Höhe, mal lassen die Sänger den Instrumenten den akustischen Vorrang. Beide Teile sind gut aufeinander abgestimmt. Egal ob das tragende Credo, das spannende, fast schon nach Auflösung fiebernde Sanctus oder das jubilierende Benedictus − immer ist die passende Stimmung zum Text, der übrigens übersetzt im Programm zu finden ist, spürbar. Nur der unpassende Zwischenapplaus reißt hin und wieder heraus.

Qualität Neben dem Schwerpunkt Jazzmesse hatte der Gemeindechor auch seine evangelischen Kollegen zum gemeinsamen Gesang geladen. Die Qualität beider Gruppen wird schon beim sechsstimmigen Kanon "Lass dich nicht vom Bösen überwinden", für den jede Stimme absolut in sich gefestigt sein muss.

Spannend auch die Choralmotette für zwei vierstimmige Chöre "Gen Himmel aufgefahren." Einen Anflug von Soul bringt nicht zuletzt Sopranistin Caroline Daul-Ernst in die Kirche, die gemeinsam mit den Musikern Curtis Mayfields "People get ready" darbietet.




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