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Mehr als nur Essen
Von unserer Redakteurin Tanja Ochs
Schwaigern - Mit dem Verhältnis zwischen Pfarrer und Kirchengemeinde sei es wie mit einer Beziehung: Das gegenseitige Vertrauen muss wachsen, meint Pfarrerin Juliane Jersak. Die 30-Jährige ist seit zwei Jahren Pfarrerin zur Anstellung in der evangelischen Kirchengemeinde Massenbach/Massenbachhausen und will dort klare Signale setzen, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
Zum Beispiel beim Essen: "Ich komme gerne zu Ihnen", bittet Juliane Jersak auf der Homepage ihrer Gemeinde um eine Einladung. Dabei geht es der jungen Frau nicht um das Essen: "Ich kann kochen und backen", lacht sie. Aber vieles lasse sich im kleinen Kreis bei einer gemeinsamen Mahlzeit oder einer Tasse Kaffee leichter besprechen.
Angebot Den Pfarrer zum Essen zu bitten sei im Grunde eine alte Tradition, die sie neu beleben wollte, sagt Juliane Jersak. Hausbesuche des Pfarrers habe es schon immer gegeben. Deshalb hat sie vor einiger Zeit einfach auf die Internetseite ihrer Gemeinde geschrieben, man könne sie einladen − und abgewartet.
"Erstmal ist nicht viel passiert", erinnert sich die 30-Jährige. Inzwischen bitten die Gemeindemitglieder ihre Pfarrerin hin und wieder zu Tisch. Die Hemmschwelle, eine Frau zum Essen einzuladen sei größer als bei einem Mann, glaubt Juliane Jersak. Zumal sie so gar nicht dem gängigen Pfarrer-Klischee entspricht. Trotzdem machen Massenbacher jeden Alters inzwischen von ihrem Angebot Gebrauch − manchmal ganz unkompliziert nach dem Gottesdienst, manchmal per Telefon oder E-Mail.
"Das ist sehr spannend", findet die Pfarrerin. Oft haben die Menschen Gesprächsbedarf, selten ein konkretes Problem. Spannende Fragen über Gott und die Welt tauchen manchmal erst während des Gesprächs auf: "Das ist auch eine theologische Herausforderung", findet Juliane Jersak.
Vor der Anstellung der gebürtigen Oberschwäbin war die Gemeinde fast fünf Jahre ohne Pfarrer. Vertretungsweise füllte Pfarrerin Christine Jeno die Vakatur mit einer 50-Prozent-Stelle. "Der regelmäßige Kontakt zum Pfarrer hat den Leuten gefehlt", sagt die Kirchengemeinderatsvorsitzende Christine Bonnet. Man werde vorsichtiger, begegne neuen Gesichtern mit Distanz. Umso mehr würden viele die Nahbarkeit von Juliane Jersak begrüßen: Der Pfarrer als Kern der Gemeinde sei für die Mitglieder Fixpunkt zur Orientierung, meint Christine Bonnet. Das alte Rollenbild sei längst gesprengt, das Miteinander stehe im Mittelpunkt: ."Bei zwanglosen Treffen erfährt man viel mehr übereinander."
Open Pfarrhaus Die gibt es in Massenbach auch bei der Reihe "Open Pfarrhaus", die Juliane Jersak und ihr Mann nach dem Amtsantritt ins Leben gerufen haben. Alle paar Monate öffnet das Ehepaar für Freunde, Bekannte, Mitarbeiter und Gemeindemitglieder ihr Haus in Massenbach. "Da ist immer was los", sagt die Initiatorin. Die Begegnungen stehen stets unter einem anderen Motto, jeder Gast bringt etwas fürs Buffet mit: "Man kann nie sagen, was passiert." Nur eins ist sicher: Der private Rahmen ermöglicht Gespräche "auf einer ganz anderen Ebene".
Um diesem Rahmen geht es auch bei den Hausbesuchen: "Da steckt mehr dahinter als Essen." Juliane Jersak schätzt die Gespräche mit den Menschen: "Das ist wirklich eine Bereicherung." So wirken sich die Begegnungen auch auf ihre Arbeit aus und beeinflussen immer wieder die Themen ihrer Predigt.
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