Kommet zuhauf

"Komm’ nach dem Mittagessen, dann bist du zum Kaffee wieder zuhause." Lange Zeit war mit diesem knappen Satz die deutsche Gastfreundschaft hinreichend beschrieben: Der Gast war gern gesehen; noch lieber aber war gesehen, wenn er wieder ging. Das ist vorbei. Heutzutage wird um jeden Gast mit Inbrunst und vielen Worten gekämpft.

Ein Blick in die täglichen Veranstaltungsankündigungen zeigt: Selten wird der Leser lediglich mit schlichten, informativen Worten über das bevorstehende Ereignis in Kenntnis gesetzt. Etwa so: Das Heckenfest der Dorfgemeinschaft beginnt am Sonntag, 1. Mai, 11 Uhr mit einem Frühschoppen in Müllers Scheune. Stattdessen lädt die Dorfgemeinschaft ein, in der Regel sogar herzlich. Das klingt deutlich freundlicher, ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Eingeladene die Kosten für Bier und Wurst in aller Regel aus eigener Tasche bestreiten muss. Im Gegenzug wird der Gast nicht nur bewirtet, sondern verwöhnt. Denn grundsätzlich gilt der Satz: "Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt." Mit dem Leib ist in der Regel der Magen gemeint und mit dem Wohl die Fülle.

Trotz aller Verheißungen scheint mancher mögliche Gast seine Scheu nicht ganz ablegen zu können. Bin wirklich ich gemeint mit dieser Einladung, scheint er sich zu fragen. Deswegen wird der Kreis der Eingeladenen immer häufiger genau bezeichnet: Mitglieder und Freunde, Partner und Angehörige, Eltern und Kinder, Schüler und Lehrer, Alt und Jung, Groß und Klein − und allen voran: Interessierte. Sie ganz besonders sind eingeladen, immer und überall. Für den, der’s immer noch nicht glaubt, wird im letzten Satz des Ankündigungstextes die Botschaft zusammengefasst: "Gäste sind willkommen" und "Die Veranstalter freuen sich auf viele Besucher". Es wäre wirklich hartherzig, ihnen diese Freude zu verderben.




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