Erste Schritte zum Gesamtkunstwerk

Schwaigern - Zehntklässler der Werkrealschule studieren Theaterprojekt ein

Von Friedhelm Römer

Schwaigern - Sie wissen, sie sind Teil von etwas Großem, die 14 Zehntklässler der Werkrealschule Schwaigern. Wenn am 23. Juli das Gesundheitsprojekt des TSV Stetten "Sport und Therapie für Kinder mit und nach Krebs" im Rahmen eines Benefizkonzerts feierlich eröffnet wird, dann sind die Jugendlichen dabei. Unter Anleitung der Theaterpädagogin Gabriele Czerny studieren sie derzeit − auf freiwilliger Basis nach der Schule − ein Stück ein. Das Ausgangsstück heißt Aurora. Dabei geht es um Bilder. Bunte Bilder von Sonnenaufgängen und wie sie in den unterschiedlichsten Kulturkreisen wahrgenommen werden. Und es geht um Musik. Und Bewegung. Die Theaterpädagogin spricht von einem Dreiklang zwischen "Musik, Bewegung und Geschichte".

Struktur

Neben den Zehntklässlern aus Schwaigern sind auch zwei vierte Klassen aus Stetten an dem Gesamtkunstwerk beteiligt. Auch mit diesen Kindern übt Gabriele Czerny, die an der PH in Ludwigsburg unterrichtet. Sie wird dem Prozess eine Struktur geben. "Theater ist formgebend", sagt sie.

Initiator Günter Zielke, der Vorsitzender des TSV Stetten ist, wünscht sich, dass auch einige der vorwiegend in den SLK-Kliniken untergebrachten krebskranken Kinder, die in der Reha sind und den neuen Sportpark des TSV Stetten nutzen, mitmachen. Seit Freitag steht fest, dass auch das Sinfonische Jugend-Blasorchester aus Heilbronn dabei ist und den musikalischen Komplex abdeckt. "Wir sind begeistert, dass wir die Heilbronner mit im Boot haben", sagt Zielke. Bei den Entscheidungsträgern sei man gleich auf offene Ohren gestoßen.
 

Erste Schritte zum Gesamtkunstwerk
Körperkontrolle und Ausdrucksstärke lernen: Die Jugendlichen sind engagiert und mit Spaß bei der Sache. Sie stellen fest, dass sie nach dem Theaterspielen viel offener als zuvor sein können.Fotos: Guido Sawatzki

 

In der Schule stehen die Zehntklässler vor dem Ende, die Abschlussprüfungen vor der Tür. Beim Theaterprojekt stehen sie noch ganz am Anfang. Zwölf Mädchen, zwei Jungen im Alter zwischen 15 und 18. Was zu Beginn der Proben-Doppelstunde im Gymnastikraum noch befremdlich ist, wandelt sich nach und nach zu einer Wohlfühl-Atmosphäre. Sie lassen sich auf den Boden fallen, hocken zusammengekauert, spielen einen Stein oder einen Tonklumpen. Andere kneten und klopfen die Körper.

Sie lernen Ausdrucksstärke und Körperkontrolle. Gabriele Czerny lobt, korrigiert, regt an. Sie vermittelt Bilder, die Jugendlichen setzen sie um in Bewegung, in Handlungen oder auch in Posen. Ihre Reaktionen am Ende der Probe sind durchweg positiv. Sie stellen fest, dass sie plötzlich offener sein können, sprechen von gewachsenem Zusammenhalt in der Gruppe, einem größeren Vertrauen und von einer besseren Konzentration durch bewusste Körperhaltung. "Ihr habt euch toll darauf eingelassen", gibt Gabriele Czerny den Schülern ebenfalls eine positive Rückmeldung.

Prozess

"Wir beschreiten einen Prozess, der zu einem Produkt führt", sagt die Theaterpädagogin und möchte, dass sich die Jugendlichen selbst einbringen − jeder einzelne. "Das macht sie selbstsicherer." Diese Aspekte sind auch dem Klassenlehrer Wolfgang Armbrust wichtig. "Was hier passiert, bringt ihnen sehr viel." Und zwar über die einzelnen Schulfächer hinaus, unter anderem für Vorstellungsgespräche durch die persönliche Präsentation vor der Gruppe. "Es gibt ihnen eine Menge." Daher sei das Einstudieren dieses Theaterprojekts auch kein Widerspruch zu den in Kürze anstehenden Prüfungsvorbereitungen.

Für den Projektentwickler Christoph Schulz aus Nordheim, der als Koordinator fungiert, gehört Theater als Fach an die Schule: "Die Wertigkeit von Theater in der Schule ist bei weitem nicht so hoch eingestuft, wie es sein müsste." Seine Vorstellung ist, externe Experten an die Schule zu holen: "Wir brauchen Leute, denen die Schüler vertrauen und von denen sie nicht abhängig sind."