Nicht alle freuen sich auf Obi

Leingarten  Neuer Baumarkt folgt auf insolventen Max Bahr − Frühere Mitarbeiter verärgert

Von unserem Redakteur Friedhelm Römer

Nicht alle freuen sich auf Obi
Ein halbes Jahr nach der Schließung von Max Bahr im Januar kommt nun Obi als Nachfolger. Für den 28. Juli ist die Neueröffnung geplant.Foto: Mario Berger

Das Warten auf einen neuen Baumarkt in Leingarten hat ein Ende: Am 28. Juli eröffnet Obi auf dem Gelände des früheren Max Bahr und Praktiker-Marktes, die im vergangenen Jahr nacheinander in die Insolvenz gegangen sind. "Der neue Obi-Markt in Leingarten bildet eine gute und sinnvolle Ergänzung zu unserer Präsenz in der Region", teilt die Obi-Presseabteilung schriftlich auf Anfrage mit.

Top drei

Bisher gibt es zwei Baumärkte des Unternehmens in Heilbronn. Im Landkreis ist der Leingartener Markt der einzige. "Für die Gemeinde ist es ein Glücksfall, weil es die Infrastruktur stärkt", sagt Bürgermeister Ralf Steinbrenner. Obi sei einer der Top drei der deutschen Baumarktketten. Viele Bürger hätten sich, so der Bürgermeister, jüngst beklagt, dass sie nun weit fahren mussten, um ihren Heimwerkerbedarf zu decken.

Allerdings fiebern nicht alle der Neueröffnung so erwartungsfroh entgegen. Lediglich vier von zuletzt 23 Max-Bahr-Mitarbeitern habe Obi übernommen, so ein ehemaliges Max-Bahr-Betriebsratsmitglied, das nicht genannt werden will. Die Obi-Presseabteilung in Wermelskirchen bleibt in ihrer schriftlichen Antwort vage und erklärt, man habe in der Region "eine ganze Reihe von ehemaligen Max-Bahr- und Praktiker-Mitarbeitern übernommen. In Leingarten werden 45 Mitarbeiter beschäftigt sein".

Vermittlungsversuche von Bürgermeister Ralf Steinbrenner, der vor einer Woche ein Gespräch mit Obi geführt hatte, scheiterten. "Was hier passiert, ist eine Katastrophe", ärgert sich Verdi-Gewerkschaftssekretär Thomas Müssig und begründet seine Wut: "Der seitherige Marktleiter verließ als Erster das sinkende Schiff, wurde geparkt und hat die Mitarbeiter hingehalten und im Unklaren über die Zukunft von Max Bahr gelassen." Dabei habe er im Juli 2013 schon gewusst, dass Obi der Nachfolger der insolventen Baumarktkette werden würde. Tatsächlich gab es bereits im Herbst 2013 Gerüchte in diese Richtung.

Belegen kann Müssig seine Vermutungen nicht, allerdings sei alles genau so eingetroffen, wie vorhergesagt. Der einstige Marktleiter ist laut Müssig auch bei Obi in dieser Position tätig und habe sich damals schon seinem künftigen Arbeitgeber angedient. In einem Brief an die Max-Bahr-Mitarbeiter kündigte er seinen Wechsel zu Obi bereits an.

Außerdem habe er dafür gesorgt, wer übernommen wird und wer nicht. "Alle Kollegen über 45 Jahre, der komplette Betriebsrat sowie die Mütter mit kleinen Kindern bleiben außen vor", klagt das Betriebsratsmitglied. Obi hat sich zu diesen Vorwürfen nicht geäußert.

Verzögerung

Hinzu komme aus Verdi-Sicht eine Verzögerungsstrategie. Im Juli 2013 ging Max Bahr in die Insolvenz, Ende Januar 2014 war endgültig Schluss, 43 Mitarbeiter hatten ihre Kündigungen erhalten. Doch erst ein halbes Jahr später folgt die Neueröffnung. Dahinter stecke Kalkül, so Müssig: "Wir gehen davon aus, dass dies gezielt gemacht wurde, um den Betriebsübergang zu umgehen." Denn: Falls es sich um einen Betriebsübergang handelt, müssen die Mitarbeiter übernommen werden. Das Problem ist also: "Je mehr Zeit verstreicht, desto schwieriger wird es, sich einzuklagen", so Müssig.

Auch die Vermieterin habe die Mitarbeiter über den neuen Betrieb im Unklaren gelassen. Die meisten Mitarbeiter hatten sich damals gegen die Übernahme in eine Transfergesellschaft und für eine Kündigungsschutzklage entschieden. Bei einer Transfergesellschaft hätte das Arbeitsverhältnis bei Max Bahr geendet. Doch sie hofften auf eine Übernahme für den Fall, dass sich erneut ein Baumarkt als Nachfolger ansiedeln sollte.

Verblieben sind zwölf Mitarbeiter. Sie haben ihre Hoffnung auf eine Übernahme noch nicht aufgegeben. "Die Mitarbeiter wollen kämpfen und werden die Situation nicht hinnehmen", sagt Thomas Müssig und kündigt bereits diverse Aktionen an, "um Unruhe zu stiften".