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Raum verdunkelt, Sinne erhellt
Von unserem Redaktions- mitglied Tobias Wieland
Kupferzell - Besteck klirrt auf den Tellern, ein Glas kracht gegen eine Wasserflasche, und irgendwo fällt eine Gabel zu Boden: Nach guten Manieren hört sich das nicht an. Dabei ist das Landhotel Krone in Eschental doch eigentlich ein gutes Haus. Nur ist in diesen Tagen in der Weinstube etwas anders. Denn die Gäste speisen dort in völliger Dunkelheit. Die Hände vor ihren Augen können sie nicht sehen. Essen im Dunkeln − wie soll das gehen?
Rat Für Edeltraud Roller und Erika Leutwein ist das Normalität. Sie sind blind. Zusammen mit rund 30 − normalerweise sehenden − Personen sitzen sie in einem völlig abgedunkelten Raum der Krone. Vorteile hat, wer mit den beiden blinden Damen am Tisch sitzen darf. Denn sie erteilen hilfreiche Ratschläge. Etwa, dass man auf der Suche nach den Speisen im Teller stochern soll. Oder, dass Messer und Gabel nah beieinander sein sollen.
Tipps sind nötig, denn Schwierigkeiten gibt es viele: Essen mit dem Messer auf die Gabel zu schieben, gelingt fast nie. Mehrfach wird die Gabel ohne Inhalt zum Mund geführt. Das Fleisch zu schneiden und richtig zu portionieren, fällt auch nicht leicht. Nur gut, dass niemand sehen kann, wie die zu großen Stücke verschlungen werden.
Die einzigen, die an diesem Abend sehen können, sind die Kellner. Sie tragen Nachtsichtgeräte, die ein kleines Sichtfeld in Grautönen bieten. Ohne ihre Hilfe gäbe es ein Chaos. Sie führen die Gäste zu ihren Plätzen, geben genaue Anweisungen. "Rechts vor ihnen kommt gleich der Stuhl", sagt etwa Serviceleiter Marco Rudolf. Gemeinsam mit Dieter Kircher bringt er Speisen und Getränke. Die Gläser werden im Uhrzeigersinn vor die Gäste gestellt. Das Wasser oder die Cola stehen meist auf ein Uhr.
In Mode In Großstädten sind sogenannte Dunkelrestaurants ein Renner. Die Krone brachte diese Mode nun nach Hohenlohe. Was die Macher vom Landhotel damit erreichen wollen? Zum einen mehr Verständnis schaffen. "Nach so einer Erfahrung verhält man sich gegenüber Blinden sicher anders", sagt Küchenchef Andreas Knapp.
Zum anderen ist das Speisen im Dunkeln ein Genuss an sich. Denn dabei werden andere Sinne beansprucht. Die Gäste riechen an den Tellern. Und ja, auch der Tastsinn ist gefordert. Nicht nur einmal nehmen die Teilnehmer die Finger zu Hilfe.
Für Gertrud und Ulrich Beck aus Dörzbach ist die Erfahrung sehr lehrreich. "Es fällt mir jetzt noch schwerer, mir vorzustellen, wie Blinde ihr Leben gestalten", meint der Ehemann. Nach dem Dessert erhellen die Kellner behutsam den Raum. Die Tische sind erstaunlich sauber. Die Gäste sind sich einig, einen schönen Abend erlebt zu haben.
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