Keine Spur von Männermangel

Von unserer Mitarbeiterin Waltraud Langer

Keine Spur von Männermangel
Probe im evangelischen Gemeindehaus: Der Chor erarbeitet Lieder für zwei Gottesdienste in Neuenstadt und Brettach.Foto: Waltraud Langer 

Neuenstadt - Männer zieren sich, wenn’s ums Kreative geht. In entsprechenden Kursen, Exkursionen oder Vereinen sind Frauen meist in der Überzahl. Missionarischen Eifer mit ein bisschen Eigennutz legt der Kirchenmusiker David Dehn an den Tag, wenn er nun zum dritten Mal ein Männerchorprojekt angeht.

"Ich möchte Männer beglücken, ihnen zeigen, dass sie singen können", sagt er. Der ein oder andere Projektsänger sei zwar danach in einen seiner Chöre eingetreten, aber viele betrachten das Ganze auch als musikalische Episode.

Mischung Fast 30 Interessierte im Alter zwischen 25 und 75 sind Dehns Aufruf gefolgt und zur zweiten Probe ins evangelische Gemeindehaus in Neuenstadt gekommen. Darunter aktive Sänger, aber auch viele Neulinge, deren Chorerfahrung von einer lang zurückliegenden Schulzeit herrührt. Wie bei Peter Lang. "Meine Frau singt im Kirchenchor. Sie hat mich auf das Projekt aufmerksam gemacht. Jetzt möchte ich es halt probieren", sagt er. Realschullehrer Günther Weber hat als Erwachsener bereits unter Dehns Vorgänger Günter Klinzing gesungen, aber wegen des Berufs vor Jahren aufgehört. Er hat "festgestellt, dass die Stimme nicht mehr so beweglich ist". Und merkt, wie die neuerliche Übung der Stimme gut tut.

Der Projektchor erarbeitet in drei Proben geistliche Lieder für Gottesdienste in Brettach und Neuenstadt. Nach dem Einsingen geht es gleich an eine mehrstimmige Pop-Version des "Vater unser". Die Einteilung in Tenor eins und zwei, Bass eins und zwei habe sich schnell ergeben, erzählt der Chorleiter. "Wer nicht wusste, wohin er muss, hat sich in die Mitte gesetzt. Wir haben dann mit einstimmigen Sachen begonnen." Das geschulte Gehör des Chorleiters tat das Übrige.

Das "führe" bei der Versuchung nicht "schwäbisch faul", sondern mit Spannung und die Viertel ganz ruhig pulsierend − so möchte Dehn das "Vater unser" hören. Dafür gibt es dann ein lobendes "super" und ein Kompliment für den homogenen Klang. Danach übt der Chor einen Kanon: "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist". Hier verlangt Dehn Gedankenpausen und ein gemeinsames "t". Dazwischen gibt es eine kleine Abhandlung über die Funktion der Hohlräume im Gesangsapparat und eine Schnurre über die Geschwister Mozart. Manchmal auch ein kurzes "Pst", wenn eine Stimmgruppe einzeln dran ist und der Rest zum Schweigen verdammt.

Tradition Wenn sich dann alles zusammenfügt, bekommt man eine Ahnung von dem, was David Dehn meint, wenn er sagt: "Männerchöre haben eine alte Tradition. Leider sind sie bei uns am Aussterben. Wenn Männer mit vollem Klang singen, dann ist das irre".

Die einstudierten Lieder des Männerchorprojekts kommen am Sonntag, 19. Februar, 10 Uhr, in Langenbrettach-Brettach und am Sonntag, 26. Februar, 10 Uhr, in Neuenstadt beim Gottesdienst in der evangelischen Kirche zur Aufführung. Weitere Infos beim Bezirkskantorat: 07139 453844.




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