Jazzclub-Feeling in der Scheune

Von Alexandra Berk

Möckmühl - "I´m feeling so good" − "Ich fühle mich so gut", singt Christopher. Und das Publikum könnte eigentlich in den Song von Michael Bublé einstimmen. Entspannt und gemütlich ist die Atmosphäre im rustikalen Obergeschoss der Scheune von Schloss Assumstadt. Bigband und Jazzchor des Mönchsee-Gymnasiums Heilbronn (MSG) bieten Jazz vom Feinsten. "Das macht sehr viel Spaß mit dem Ambiente hier", meint auch Musiklehrer, Chor- und Bigbandleiter Hans-Peter Keil.

Umdisponiert

"Als wir gesehen haben, wie viele Bläser dabei sind, haben wir schnell umdisponiert", sagt Martin Renner, der die Konzertreihe für den Kulturverein Schloss Assumstadt organisiert. "Im Gewölbekeller wäre es wohl ziemlich laut geworden." Jazz in allen Variationen ist an diesem Abend zu hören. Dem Klassiker "My Funny Valentine" aus dem Broadway-Musical "Babes in Arms" verleiht Matthias Forschner am Tenorsaxofon mit rauchigem Timbre Charakter. Cool Jazz bietet die Ballade "All Blues" von Miles Davis, die hier wirklich unterkühlt dargeboten wird. Jazzrock und Fusion von Joe Zawinul dürfen ebenso wenig fehlen, wie "Soul Bossa Nova", der als Hintergrundmusik für Comedy-Serien adaptiert wurde, und "Libertango" von Astor Piazzolla.

Die Bigband agiert dabei beeindruckend diszipliniert und konzentriert. Selbst rhythmische Anforderungen, die einem gestandenen Jazzer den Schweiß auf die Stirn treiben würden, meistern die Jugendlichen. Dafür war aber auch harte Arbeit angesagt. Zusätzlich zu den wöchentlichen Proben gab es Musikwochenenden und "eine ganze Menge Zusatzproben", wie Keil erklärt.

Zwischen den Blöcken der Bigband hat der Jazzchor seinen Auftritt. Mal a cappella, mal mit einer Begleitung durch Schlagzeug und Klavier oder mit Saxofon-Soli aufgelockert singt er sich mit sichtlichem Spaß durch sein Programm. Die Mädchen halten sich dabei angenehm zurück, obwohl sie ihre sechs männlichen Mitsänger sicherlich locker an die Wand singen könnten.

Ohne Worte

Fasziniert ist das Publikum von den "Vocal Dances", die ohne Begleitung in feinster Mehrstimmigkeit nur auf Tonsilben gesungen werden. Trotzdem lauscht so mancher, ob er da nicht doch Worte versteht. Anklänge an afrikanischen Folk wechseln mit Jazzrhythmen. Vertrackte Harmonien, schräge Klänge, Modulationen? Der Chor nimmt sie lässig, meistert die Schwierigkeiten mit Bravour.

Erst bei der Zugabe merkt man, unter welcher Anspannung die jungen Leute gestanden haben müssen. Frei nach der Textzeile "Don´t Forget The Mexican Spices" hätte man sich an mancher Stelle mehr Feuer gewünscht, doch plötzlich geht es bei "Pick Up The Pieces" richtig ab.

Die Band groovt, der Gitarrist haut das berühmte Intro von "Smoke On The Water" raus und der Jazzchor und das Publikum klatschen begeistert mit.




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