Fahrender Helfer aus Leidenschaft

Rolf Wörle ist beim 50. Transport der Tschernobyl-Hilfe dabei

Von Waltraud Langer

Fahrender Helfer aus Leidenschaft
Mit dem 40-Tonner auf den Weg nach Gomel in Weißrußland macht sich Rolf Wörle aus Neuenstadt.Foto: Waltraud Langer

Neuenstadt - Er ist ein „Konvoiniki“ aus Leidenschaft, der Elektromeister Rolf Wörle aus Neuenstadt. Mit dem Deutschen Verband für Tschernobyl-Hilfe ist er beim 50. Hilfsgüter-Transport nach Gomel in Weißrussland dabei.

In seinem Betriebshof steht der 40 Tonner, mit dem er sich in der Nacht auf die 2400 Kilometer lange Strecke begibt. Ganz alleine diesmal, denn von anderen Transporten bewährte Beifahrer waren beruflich nicht abkömmlich. Es ist der 20. Transport des 46-Jährigen.

Lange dabei Im Laderaum des Lkw stehen Tische mit Stahlgestell, Abfallsäcke, Papiertücher, Reiter für Hängemappen aber auch 145 Schilddrüsenuntersuchungskits und 30 000 Pipettenspitzen, beschafft aus Spenden für die Tschernobyl-Hilfe. Außerdem eine komplette Heizungsanlage für Holzhackschnitzel von einem Vorarlberger Hersteller. „Die dortige Landesregierung sponsert sie für die Internationale Sacharow-Umwelt-Universität in Minsk“, erzählt Wörle.

Schon lange hatte der Neuenstädter im Sinn, Hilfstransporte zu organisieren. „Es war der Wunsch da, zu helfen“, sagt er. Zunächst dachte er an ein Engagement in Afrika. „Sybille Landsgesell vom Arbeitskreis Frieden hat mich dann aber auf die Not in Weißrussland aufmerksam gemacht und so habe ich mich in der Tschernobyl-Hilfe eingebracht“. Zunächst waren es Lebensmittellieferungen, dann Kleider, dann klar definierte Produkte, wie im aktuellen Transport.

Wörle ist auch im Vorstand des Deutschen Verbandes für Tschernobyl-Hilfe. Wie auch der Mediziner und Strahlenspezialist Professor Dr. Edmund Lengfelder, der zwei Strahlenkliniken in Gomel aufbaute und in Sachen regenerative Energien Aufklärungs- und Aufbauarbeit leistet. Das Engagement des Neuenstädters geht aber noch weiter. Rolf Wörle ist als Unternehmer in der Umwelttechnik tätig. Dabei traf er in Rumänien mit Menschen zusammen, deren materielle Not ihn erschütterte. Daher organisierte er im April einen Hilfstransport nach Kleinschelken, einem Dorf bei Hermannstadt. Die bei der Neuenstädter Bevölkerung gesammelten Kinderfahrräder, Gartengeräte, Gummistiefel und Spielzeuge waren höchst willkommen.

Demnächst möchte er wieder einen Spendenaufruf starten, denn bevor der Winter kommt, will er noch einmal hinfahren. „Dann werde ich auch nachsehen, wie die Möbel aus dem Neuenstädter Schulzentrum verwendet wurden“, sagt er.

Helfer Jetzt wie damals hilft die Firma Iveco Capital und ihr Geschäftsführer Michael Jenede, indem man den Lkw kostenlos zur Verfügung stellt. „Wegen der Mautbefreiung haben wir den Bundestagsabgeordneten Juratovic eingeschaltet. Dieses Mal haben wir die Befreiung bekommen“, freut sich Wörle. Hilfe erfährt er auch von der Stadt Neuenstadt. Sie stellt die ehemalige Halle der WEG für die Spendensammlung kostenlos zur Verfügung. Und um die nächste Generation braucht er sich auch keine Sorgen zu machen. Tochter Anna (15) und ihre Freundin würden ihr Sozialpraktikum für das Mörike-Gymnasium gerne an der Strahlenklinik in Gomel machen. Das o.k. von dort haben sie.