Dorfpfarrer gesucht

Von unserer Redakteurin Claudia Kostner

Dorfpfarrer gesucht
Die Tür der evangelischen Kirche steht dem neuen Pfarrer offen, sagen die Kirchengemeinderäte Gerhard Lindenmann (links) und Helmut Hummel. Foto: Claudia Kostner 

Roigheim - Es ist natürlich Zusatzarbeit für uns alle, aber wir kriegen das hin", sagt der Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Helmut Hummel. Auch mit weiteren Ehrenamtlichen und Helfern seien "viele Garden" da, die dafür sorgen, dass es weitergeht. "Aber das Amt des Seelsorgers und Hirten können wir nicht füllen." Seit Walter Schmid im Juni 2011 in den Ruhestand verabschiedet wurde, ist die evangelische Gemeinde Roigheim ohne Pfarrer.

Zwei Ausschreibungen blieben erfolglos. Auf die erste gab es zwar drei Bewerbungen. Die Pfarrerin, die sich den Roigheimern auf Vorschlag des Oberkirchenrats daraufhin vorstellte, lehnte der Kirchengemeinderat aber mehrheitlich ab. "Wir haben uns das nicht leicht gemacht", betont Gerhard Lindenmann, eines der Mitglieder des sechsköpfigen Gremiums. "Aber wir müssen auch schauen, dass der Pfarrer mit den Menschen und der Gemeinde glücklich wird."

Wunschkandidat Einen "Seelsorger zum Anfassen", einen, "dessen Tür immer offen steht" , wie es Walter Schmid 14 Jahre lang war, wünschen sich die Protestanten für die Seckachtalgemeinde, erklärt Helmut Hummel. Jemanden, der "Bewährtes weiterführt und entsprechend seinen Gaben Neues mit Mut anpackt und ausprobiert", so ist es im Ausschreibungstext formuliert. "Alle vier bis sechs Wochen hat der 60-Jährige Kontakt zum Oberkirchenrat, "einfach, um Roigheim in Erinnerung zu halten".

"Sechs bis sieben Monate Vakatur* sind eigentlich üblich", weiß der Dekan des Kirchenbezirks Neuenstadt, Traugott Mack. Wenn sich nicht gleich ein geeigneter Bewerber findet, entsendet der Oberkirchenrat nach etwa einem Jahr einen so genannten "unständigen Pfarrer", etwa einen Pfarrer zur Anstellung oder einen, der gerade aus dem Ausland zurückgekehrt ist. "Da wird der Kirchengemeinderat nicht gefragt", sagt Mack, könne ihn aber nachträglich als ständigen Pfarrer wählen, wenn die Chemie stimmt. Die Stelle in Roigheim mit knapp 900 Gemeindegliedern hält der Dekan für "nicht unattraktiv. Davon gibt es nicht mehr viele, da hat man wirklich noch den persönlichen Kontakt zu den Menschen".

Bis der neue Dorfpfarrer kommt, werden die Aufgaben auf viele Schultern verteilt. Die Gottesdienst-Vertretungen plant Siglingens Pfarrerin Susanne Spöhrer gemeinsam mit dem Dekanat Neuenstadt. Pfarramtssekretärin Bettina Feil führt die Organistenliste. Die Kasualien wie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen übernehmen abwechselnd die Seelsorger der umliegenden Gemeinden. Kirchenpfleger Michael Tschürtz kümmert sich um die Finanzen, Helmut Hummel leitet die Kirchengemeinderatssitzungen.

Kinderchor Die Organisation des Frauenfrühstücks liegt in den Händen von Christel Schreiweis − das war bisher Aufgabe von Walter Schmids Ehefrau Cornelie. Mit deren Weggang war auch die Leitung des von ihr gegründeten Kinderchors offen. "Seit Herbst haben wir wieder jemanden: Gabriele Blanco-Sanchez", freut sich Helmut Hummel. Seinen ersten Auftritt hatte der Chor an Heiligabend mit dem Musical "Schuster Martin". Die ökumenische Abenteuerwoche in den Ferien, die Schmid am Herzen lag, übernimmt bereits zum zweiten Mal Beate Klein. "Ein großer Wunsch des ganzen Dorfes ist es, dass der neue Pfarrer oder die neue Pfarrerin sich dabei engagiert", sagt der Kirchengemeinderatsvorsitzende.

Auch die älteren Roigheimer müssen auf nichts verzichten. Die Seniorennachmittage, bisher in Schmids Verantwortung, gibt es weiterhin: Marliese Lachmann und Annegret Hoffmann sind dafür zuständig, Helmut Hummel spricht das "Wort zum Tag" und spielt Gitarre. Eine Besuchsdienstgruppe kümmert sich an Ehrentagen um die über 75-Jährigen und macht Krankenbesuche. Nur die Jungschar ist verwaist. Obwohl es gut läuft: "Die Menschen sollen auch geistige Speise bekommen", betont Hummel und hofft deshalb, "bald einen geeigneten Bewerber begrüßen zu können, der gerne Pfarrer in einer Dorfgemeinde ist".

Vakant bedeutet leer, unbesetzt, frei. Die Vakatur bezeichnet die pfarrerlose Zeit in einer Kirchengemeinde.




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