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Damit keine Steine purzeln
Von unserem Redakteur Rolf Muth
Lauffen - Der kalte Wind pfeift Gunter Bareis ganz ordentlich um die Nase. Der 54 Meter hohe Turm der evangelischen Regiswindiskirche ist eingerüstet. Der Blick von den leicht schwankenden Planken hinüber auf die Rathausburg, entlang des Neckars oder auf die Herzog-Ulrich-Grundschule ist fantastisch. Der evangelische Pfarrer ist aber nicht nach oben geklettert, um die Fernsicht zu genießen. Sein Augenmerk gilt der Kirchensanierung, deren Kosten stetig steigen. Die Reparatur der Außenfassade, des Turms und die bevorstehende Sicherung des Chorraums wird rund 1,1 Millionen Euro kosten.
Weggerissen Die Sturmböen kürzlich haben die Plane weggerissen, die die Nische zwischen dem mit Schiefer gedeckten Dach und der Holzkonstruktion, die auf dem Mauerwerk aufliegt, schützen soll. Der Pfarrer ist erschrocken: Hier kann der Regen ungehindert eindringen, weitere Schäden verursachen. Da kraxelt einer die Alustufen hinter dem blauen Sicherheitsnetz nach oben: Architekt Till Läpple trifft zufällig ein. Den hat Gott geschickt. Der Planer der Stuttgarter Firma Strebewerk verspricht rasche Abhilfe. Das Holz muss geschützt werden. Schon jetzt ist die Konstruktion verzogen, möglicherweise durch einen Granateinschlag im Zweiten Weltkrieg. Die mächtigen Balken drücken von innen gegen das Mauerwerk, haben es nach außen gewölbt. "Der Turm wäre in den nächsten 50 Jahren heruntergekommen", sagt Bareis. Jetzt sollen die Zimmerleute den Dachaufbau richten, damit der Druck von den Steinquadern genommen wird.
Spezialkamera Risse, Abplatzungen, Hohlräume − das war das Untersuchungsergebnis vor zwei Jahren. Mit einer hochauflösenden Spezialkamera wurde damals Stein für Stein aufgenommen. Die Aufnahmen wurden analysiert, katalogisiert und grafisch aufbereitet. Entstanden ist ein sehr detailliertes Muster der Fassadenseiten mit den jeweiligen Schadensstufen. Erst danach war klar, welcher Aufwand betrieben werden muss, um das Gotteshaus zu sanieren.
Die spätgotische Kirche aus dem 13. Jahrhundert ist das markante Bauwerk in der Stadt, thront hoch über dem Neckar. "Es ist ein sehr altehrwürdiger Bau", sagt Bareis.
Die uralten Sandsteine der Westseite wurden ab einer Höhe von zwei Metern bereits restauriert, die Risse mit Mörtel ausgefüllt.
Aufspaltung, Schalenbildung, abgeplatzte Sandsteinflächen − unterhalb des sanierten Bereichs beim Hauptportal kann man die Schäden noch sehr gut erkennen. Bareis klopft an einen Stein: hohl. Die steinernen Rippen zwischen den bleiverglasten Fensterelementen mussten komplett ausgetauscht werden. Auch sie wären auf kurz oder lang zusammengebrochen. Flache Blenden, die bei einer der letzten großen Sanierungen in den 60er Jahren oder davor mit Zement angebracht worden waren, wurden ausgetauscht. Aus Sicherheitsgründen. "Damals hat man geglaubt, mit Zement kann man alles zusammenhalten", sagt Bareis. Ein fataler Irrtum, wie sich jetzt herausstellt. Bareis mag nicht daran denken, was alles hätte passieren können. "Da hatten wir einen guten Draht nach oben." Die Kirchengemeinde Lauffen handelte rechtzeitig.
Zeitplan Im Frühjahr sollen die Arbeiten am Turm fertig sein. Bis dahin sind auch die vier Ziffernblätter wieder angebracht. Die drei mal drei Meter großen Teile werden gerade von Rost befreit. Befestigungen waren korrodiert, lose oder sie fehlten.
Die Außenfassaden im Norden und Süden folgen noch in diesem Jahr. 2013 ist die Ostseite dran. Und dann kommt der Hauptbrocken im Innern: der Chorraum. Feine Risse durchziehen das weiße Gewölbe, das mit bunten Malereien verziert ist. Graue Flächen lassen auf frühere Wasserschäden schließen. Eine Feinanalyse ist erst dann möglich, wenn hier ein Gerüst aufgestellt ist. Überraschungen sind also möglich.
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