Buchladen in verfahrener Situation

Von unserem Redakteur Christian Gleichauf

Buchladen in verfahrener Situation
Hinter dem Mechita-Brunnen das Haus Hauptstraße 28, das bisher komplett von der Buchhandlung Meissner genutzt wird. Weil das künftig nicht mehr möglich sein wird, stellt die Inhaberin die Zukunft des Buchladens infrage.Foto: Christian Gleichauf 

Möckmühl - Ich bin zum 30. Juni draußen. Ich bin ja gekündigt." Mehr möchte Elke Menzel nicht sagen. Dafür wiederholt die Inhaberin der Buchhandlung Meissner die Aussage gleich zweimal: "Ich bin zum 30. Juni draußen, das ist doch alles gar kein Problem."

Das Problem ist, dass niemand möchte, dass Elke Menzel und ihre Buchhandlung aus der Hauptstraße 28 ausziehen. Nicht ihre Kunden, nicht die Verantwortlichen in der Stadt und auch nicht der Bürgermeister, der zum 1. Januar 2012 das Haus gekauft hat. Inzwischen sah er sich gar gezwungen, öffentlich klarzustellen, dass er privat an einer Mieterin Elke Menzel großes Interesse hat, ebenso wie er als Bürgermeister den Buchladen in der Stadt halten möchte. Doch ob das gelingt, ist momentan völlig offen.

Denn gekündigt wurde Elke Menzel nicht, weil das Geschäft in dem Haus unerwünscht ist. Vielmehr hatte die Buchhändlerin bislang zu einem relativ günstigen Preis das ganze Anwesen gemietet, weil kein anderer Zugang zu den oberen Stockwerken bestand als über den Laden. Zudem gibt es nur im Erdgeschoss eine Heizung. Einer Präzisierung des Mietvertrags stimmte sie allerdings nicht zu − denn Menzels Aussage zufolge sollte ihr nur das Ladengeschäft im Erdgeschoss bleiben. So erhielt sie Ende 2011 die Kündigung zum 30. Juni 2012 vom damaligen Eigentümer. Schließlich wollten die neuen − Ulrich Stammer und Catrin Pötzsch − das Haus umfassend sanieren und in den Obergeschossen Wohnungen einrichten, eine davon selbst beziehen.

Unterschriften Gerüchte machten die Runde, sorgten für einen Sturm der Entrüstung. "Gerade kam ein Brief rein, da wurde ich mit Walter Ulbricht verglichen", erzählt der Bürgermeister. Im Ort werden Unterschriften gesammelt, um sich für die Buchhandlung stark zu machen. Es gibt Vorwürfe, Stammer habe das Sanierungsgebiet ausweiten lassen, um nach dem Hauskauf persönlich davon zu profitieren. "Ich bekomme keine Förderung", sagt Ulrich Stammer knapp.

Ungelöst ist das Problem, wie und wohin die Buchhändlerin ausweichen könnte, während das Haus saniert wird. Zwei Monate, so lautet die Planung, muss die Buchhandlung Meissner anderswo unterkommen. Das ist für Elke Menzel ein Problem, doch wie ihr Rechtsbeistand Manfred Köhler erläutert, geht es in erster Linie um eine andere Frage: "Kann Frau Menzel die Buchhandlung auf der verbliebenen Fläche überhaupt sinnvoll weiterbetreiben?" Durch die Abtrennung des Treppenhauses und den Einbau einer Toilette bleiben nach derzeitigem Planungsstand rund 100 Quadratmeter im Erdgeschoss. "Sie müsste sich sehr einschränken."

Der Bürgermeister will sich flexibel zeigen. Menzel könnte eine der zwei Wohnungen im Obergeschoss dazumieten, dann sei der Einbau einer zusätzlichen Wendeltreppe möglich, ebenso könnte eine Tür zum Lagerraum im Keller eingebaut werden. Der Quadratmeterpreis liege unter den Ladenpreisen etwa im EKZ auf der anderen Jagstseite. Zudem möchte er eine Pelletheizung im Haus einbauen. Unter dem Strich werde ein Mieter also allein wegen der bisher so hohen Heizkosten künftig kaum mehr bezahlen müssen. Wie hoch die sind? Auch das will die Buchhändlerin nicht sagen.

Gesprächsangebot Eine verfahrene Situation, findet etwa Volkmar Drauz, ehemaliger Musiklehrer am Gymnasium und guter Kunde der Buchhandlung Meissner. "Es besteht bei vielen in Möckmühl die Angst, dass wir dieses wichtige Geschäft verlieren." Angesichts der Anfeindungen und Unterstellungen hält er es aber auch für "vernünftig, dass sich der Bürgermeister zur Wehr setzt". Er wünscht sich, dass beide miteinander reden. Das soll schon nächste Woche passieren, so das Angebot des Bürgermeisters.




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