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Auszeit statt Mahlzeit
Von unserem Redaktions- mitglied Anna Gögelein
Heilbronn - Vielen knurrt pünktlich zur Mittagszeit der Magen. Anderen raucht eher der Kopf. Ob man in der Mittagspause etwas isst oder lieber anderweitig Erholung sucht, ist oftmals eine Zeitfrage oder hängt von Regelungen des Arbeitgebers ab. Vor allem ist die Pausengestaltung aber Geschmackssache.
Gebet "Ruhe finden", ist Marie-Luise Kochs Ziel. Sie geht regelmäßig zur "Atempause" in die Kilianskirche. Nur 15 Minuten dauert das liturgische Gebet mit Orgelmusik, Meditation und Segen, das die Citykirche Heilbronn mit ehrenamtlichen Mitarbeitern dienstags und donnerstags um 12.15 Uhr anbietet.
Im Chor sind Stühle aufgestellt, dicht vor dem Holzaltar und den Glasfenstern. Während von der Kaiserstraße nur noch das gedämpfte Quietschen einer Stadtbahn zu hören ist, wandet der Blick über die plastischen Altarfiguren, weiter zu den Bibelszenen und Mosaiken an den Fenstern. Man muss nicht gläubig oder christlich sein. Auch rein visuell gibt es viel zu entdecken und Gedanken über die Arbeit sind plötzlich nicht mehr so wichtig.
Als "Zeit zum Atemholen", beschreibt die Ehrenamtliche Dorothee Kunz die spirituelle Mittagspause. "Jeder kommt aus einem anderen Grund, manche regelmäßig, andere spontan." Marie-Luise Koch findet Zeit zum Reflektieren, fühlt sich "wohl und geborgen, ein unheimlich schönes Erlebnis".
Bewegung Erholt fühlt sich Ulrike Reeg, wenn sie dienstags die Matte wieder zusammenrollt. 70 Minuten im Volkshochschulkurs (VHS) von Yogalehrerin Beate Heckel sind für sie "die schönste Mittagspause, die man haben kann". Die Gruppe sei wie eine Familie, sagen die Teilnehmerinnen, von denen viele seit Jahren diesen Kurs belegen.
"Das passt wunderbar in meinen Rhythmus", sagt Betina Soehnle-Heubach. Yoga mitten am Arbeitstag sei "eine aktive Auszeit, in der man seinem Bedürfnis nach Bewegung nachkommen kann", erklärt Yogalehrerin Beate Heckel. Man gewinne Abstand und könne manches gelassener betrachten. Yoga in der Mittagspause ist "wie das Eintauchen in eine andere Welt", sagt Kursteilnehmerin Ulrike Reeg.
Appetit Eine andere Welt öffnen, die vom Alltag ablenkt, ist auch Ziel bei der "Literarischen Mittagspause" am Heilbronner Theater. Im Foyer der Kammerspiele liest an jedem letzten Mittwoch im Monat ein Ensemblemitglied ab 13 Uhr eine halbe Stunde lang vor. Obwohl der Lesende nur im Licht einer Schreibtischlampe sitzt, spielt sich beim Zuhören ein Film vor dem inneren Auge ab. "Das inspiriert", sagt Heidi Engelmann. Mit Petra Layer-Jakobi ist sie jeden Monat bei der Lesung, schätzt die angenehme Atmosphäre, es sei "jedes Mal ein Highlight".
Für Barbara Seeberger hat die Lesung Tradition. Sie kommt, um sich zu informieren. Denn die Texte sind so gewählt, dass sie auf eine Inszenierung des Spielplans einstimmen, erklärt Dramaturgin Stefanie Symmank − eine Nachspeise für die Zuhörer, die diese kennen und ein Appetitanreger für die anderen. Ohne Vorkenntnisse bleibt Interpretationsspielraum. "Eine gute Alternative zur normalen Mittagspause", sagt Corinna Ganter, die die Lesung gemeinsam mit Kollegen besucht.
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