Über das Sterben und das, was nach dem Tod kommt

Von Cordula Dürr

Über das Sterben und das, was nach dem Tod kommt
Karl Heinrich Kraft liest im Glashaus aus dem Möckmühler Totenbuch.Foto: Dürr

Möckmühl - Es war keine leichte Kost, die sich das Kleinkunst-Ensemble Kunstdinger in Möckmühl verordnet hat. „Ars moriendi“ - „die Kunst zu sterben“, hieß der Titel, mit dem die Gruppe im voll besetzten Glashaus Zürn auftrat.

Der Tod und wie die Gesellschaft heute damit umgeht, beschäftigt die Mitwirkenden seit geraumer Zeit. Eine Vorstellung zu diesem nicht gerade populären Thema zu inszenieren, wurde zur Herausforderung. Dabei sollten und durften die Besucher ruhig etwas nachdenklich werden. Trübsinn wollte das Ensemble allerdings nicht verbreiten, so wie etwa Rezsö Seress, der Komponist von „Gloomy Sunday“, der nachdem das Stück unzählige Menschen in Tristess gestürzt hatte, sich selbst das Leben nahm. Gunter Wacker bot eine Klavierbearbeitung von diesem „Lied des Selbstmörders“.

Vom ungebremsten Ablauf des Lebens handelt die Ballade von Carl Loewe „Die Uhr“, die Bernhard Jaeger-Böhm (Bass) sehr ausdrucksstark vortrug. Als weitere Interpretationen von ihm waren von Hugo Wolf „Denk es, o Seele“ oder das Brahmslied „Auf dem Kirchhof“ zu hören. Ums Sterben geht es auch in „La Mama“ von Charles Aznavour. Regine Böhm (Mezzosopran) bot wie auch in dem Lied „Tod von Basel“ oder in „Adieu Emile“ verschiedenste Facetten ihres Gestaltungsrepertoires. Immer stand das Sterben im Mittelpunkt, ob in Liedern, Instrumentalbeiträgen wie „Die Träne“ von Mussorgski gespielt von Monika Horn (Fagott) und Gunter Wacker (Klavier) oder in verschiedenen Textlesungen vorgetragen von Iris und Andreas Capelle, Regine Böhm und Bernhard Jaeger-Böhm, Susanne Zürn, Monika Horn, Gunter Wacker und Karl Heinrich Kraft.

Einen heiteren Anklang hatte „Onkel Alois“, dessen Beerdigung in astreinem Bayrisch zelebriert wurde, und auch „Auf all den Wegen nach Eden“, wo die Witwe den Witwer auf dem Friedhof verführt. Unter die Haut gingen dagegen Geschichten wie die vom „Kranzträger“, der mit seiner ungewöhnlichen Requisite eigentlich nur unerkannt von der Ostsee bis nach Hause zu den Alpen reisen wollte und am Ende erfahren muss, dass der eigene Sohn gestorben war. Jeder Beitrag schilderte eine Begebenheit, wie sie da und dort geschehen könnte. „Ein Blick durch ein buntes Kaleidoskop hindurch auf das Sterben, den Tod und das, was danach noch alles kommen kann.“ So hatte es Andreas Capelle zu Beginn versprochen, und so hatte jeder Besucher seine individuelle von persönlichen Ereignissen geprägte Wahrnehmung an diesem Abend. Ein künstlerischer Hochgenuss waren dieses zwei Stunden im Glashaus Zürn aber allemal.

25.04.2007

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