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Was passiert, wenn es mehr Meer gibt
Klimaforscher Professor Hartmut Graßl beschrieb die Folgen der Erderwärmung für die Menschen
Foto: Rudolf Landauer
Mosbach Gibt es in der Zukunft mehr Meer? Für das 21. Jahrhundert sagen Experten eine globale Erwärmung von bis acht Grad Celsius voraus. Vorausgesetzt, die Menschen machen so weiter wie momentan. „Der Klimawandel kommt schneller, als wir das noch vor einigen Jahren prognostiziert haben“, mahnte jetzt Professor Dr. Hartmut Graßl in der Alten Mälzerei in Mosbach. Er warnte: Der Klimawandel sei nur noch zu verhindern, wenn der heutige Kohlendioxid-Ausstoß um 80 Prozent reduziert wird.
Mit harten Argumenten konfrontierte der Chef des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg das interessierte Publikum. Graßl stellte fest: Die derzeitige Entwicklung läuft darauf hinaus, dass statt 80 Prozent weniger, dreimal mehr Kohlendioxid (CO2) ausgestoßen wird. Die Folgen seien noch unabsehbar.
Die Bedeutung der Klimaforschung bekräftigten Mosbachs Oberbürgermeister Michael Jann und der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Dr. Achim Brötel. Sie freuten sich über das Zustandekommen der vierteiligen Vortragsreihe zu diesem Thema. Die Mahnungen der Klimaforscher sollten verstärkt Beachtung finden, was in der Region ja auch der Fall sei.
Christine Denz war die Ideengeberin der Veranstaltung. Sicherlich hat nicht jeder Zuhörer die teilweise recht wissenschaftlichen Beiträge des Klimaforschers verstanden. Die bunten Grafiken, in denen er auf der Leinwand Computersimulationen des Klimas, der Kryosphäre, der Meerestemperaturen und Meeresströmungen darstellte, waren für Laien nur schwer interpretierbar.
Mit seinen Aussagen kam Graßl dagegen auf den Punkt und machte zu Beginn klar, dass er nicht von Nairobi komme: „Dort treffen sich momentan nur Politiker“, meinte er lakonisch. Die Weltklimaänderungen seien an vielen Details ablesbar. Alte Bäume sterben in Europa nicht nur wegen Wassermangels ab, sondern oftmals wegen Krankheiten durch Pilze. „Denen geht es wie uns Menschen, ein geschwächter Körper ist auch anfällig gegen Krankheiten“, verglich Graßl. Wenn sich die Durchschnittstemperatur der Erde nur um ein Grad erhöht, entsteht ein Klima, das der Homo sapiens noch nie erlebt habe. Ein Teufelskreis tut sich laut Graßl auf: Bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts werden sich die verbrauchten Energiemengen der Entwicklungsländer verdoppeln. Damit werde der CO2--Ausstoß steigen. Das wird das Schmelzen der arktischen Eismassen weiter beschleunigen und zu einem Anstieg der Meerespegel führen - mit Folgen für die Menschheit, sagte Graßl.
Der Mensch sei für diese Entwicklung verantwortlich. Industrie und Privathaushalte, Autos und Flugzeuge stoßen Gase aus, die den Treibhauseffekt verstärken und die Temperatur anheben. Sommer wie 2003 wird es häufiger geben, mahnte Graßl. Ozeane erwärmten sich rascher, weil die Sonnenstrahlung tiefer reicht. Etwa vom Jahr 2300 an wird das Grönland-Eis schmelzen, und das wird einen Anstieg des Meeresspiegels um bis acht Meter bringen: „Dann haben wir viel mehr Meer“, rechnete Graßl vor. Hamburgs Stadtteil St. Pauli verschwindet dann von der Landkarte.
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