Chefredakteur diskutiert mit Bürgern


Uwe Ralf Heer Lokalpolitische Themen und die Meinung der Leser stehen im Mittelpunkt des Interesses, wenn Stimme-Chefredakteur Uwe Heer bei seiner Lokaltour in den Kommunen in der Region zu Gast ist.






Zeitung machen in turbulenter Zeit

Von Henry Doll

Zeitung machen in turbulenter Zeit
Uwe Ralf Heer (vorne links) erläuterte in der Hermann-Lenz-Bar seine Vorstellung einer aktuellen Regionalzeitung - gerade in Zeiten des weltumspannenden Internets. 
Künzelsau - Die Liste ist lang: 78 Städte und Gemeinden umfasst das Verbreitungsgebiet der Heilbronner Stimme / Hohenloher Zeitung / Kraichgau Stimme. Auf seiner Tour durch diese Kommunen war Chefredakteur Uwe Ralf Heer am Montag zu Gast in Künzelsau.

Es war Station fünf dieses mehrmonatigen Projekts. In der Hermann-Lenz-Bar des Hotel-Restaurants Anne-Sophie ging es in kleiner Runde um die Aufgaben der Zeitung in der Region, Öffentlichkeitsarbeit und die Kommunalpolitik.

Rainer Breuninger wollte von Uwe Ralf Heer wissen, ob er „persönlich es begrüßen würde“, wenn es eine zweite Tageszeitung vor Ort gebe. „Ich hätte überhaupt keine Probleme“, betonte der Chefredakteur. Aber es würde in diesen schwierigen Zeiten „kein Verlag der Welt“ auf die Idee kommen, in den Aufbau einer neuen Zeitung zu investieren, beschrieb er die allgemeine Entwicklung in der Medienbranche. Natürlich war die Stoßrichtung von Rainer Breuningers Frage klar: Wäre die Presse kritischer oder gar bissiger, wenn es Konkurrenz gäbe?

Konzentration

Heer vertrat die Auffassung, dass oft viel schneller „geschossen“ werde, wenn zwei Zeitungen im Wettbewerb stünden. Die heutige Tendenz beschrieb er so: „Die größeren Zeitungen werden mehr und mehr versuchen, kleine Zeitungen zu schlucken.“ Die Zahl der Leser sinkt. Durch Projekte wie Zeitung in der Schule und die Erweiterung des medialen Angebots im Internet, etwa durch das erfolgreiche Stimme TV, hält das Medienunternehmen Heilbronner Stimme dagegen. Binnen eines Jahres, so Heer, verdoppelte sich die Zahl der Internet-Zugriffe. Gleichwohl behält die Zeitung ihren dominanten Stellenwert – und ist als Anker in der Medienflut wichtiger denn je.

HZ-Redaktionsleiter Ralf Reichert: „Die Tageszeitung hat immer auch gelebt von der Aktualität. Aber Hintergrundgeschichten, Analysen und Kommentare werden immer wichtiger.“ Das Projekt Zeitung in der Schule ist nach Einschätzung von Barbara Eckle „eine tolle Sache“. Wichtig seien Vereins- und Sportnachrichten. Junge Sportler, die sich, vielleicht sogar mit Bild, in der Zeitung wiederfinden, würden so zusätzlich motiviert.

Öffentlichkeitsarbeit

Dr. Andreas Eckle fand die „Leistungsdarstellung“ der Hohenloher Krankenhaus gGmbH eher unbefriedigend, wobei er selbstkritisch über die Öffentlichkeitsarbeit nachdachte. „Selbst niedergelassene Ärzte sagen, dass sie nicht wissen, was wir treiben.“ Bürgermeister Lenz fand mit Blick auf die Nachbarstadt Schwäbisch Hall, dass dort der „Lokalpatriotismus“ stärker ausgeprägt sei. Auch in den Medien. Er kritisierte, dass die Themen Krankenhaus und Gesundheit stark unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten gesehen würden. Beim ÖPNV sei dies nach seinem Eindruck anders. Der Gewerbesteuerrückgang werde sich erst 2010 deutlich abzeichnen. 2010 werden nach seiner Befürchtung viele Kommunen „Schwierigkeiten haben, überhaupt ihre Umlagen zu zahlen“.

27.05.2009


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