Chefredakteur diskutiert mit Bürgern


Uwe Ralf Heer Lokalpolitische Themen und die Meinung der Leser stehen im Mittelpunkt des Interesses, wenn Stimme-Chefredakteur Uwe Heer bei seiner Lokaltour in den Kommunen in der Region zu Gast ist.






Industriebetrieb in der Kurstadt? Debatte über Galvaswiss

Von Peter Boxheimer

Bad Rappenau -  Es ist allemal besser, miteinander statt übereinander zu reden. Eine Erkenntnis, die sich auch bei der Lokaltour von Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer in Bad Rappenau bewahrheitet. Erstmals bringt der Treff mit den Lesern in öffentlicher Runde Gegner und Befürworter der geplanten Feuerverzinkerei in den Bonfelder Buchäckern an einen Tisch – und bietet damit ein Diskussionsforum, das sich viele schon früher gewünscht hätten.

„Bürgerversammlungen gibt es in den letzten Jahren leider nicht mehr“, bedauert Ulrich Schneider, Vorsitzender der Bürgerinitiative. Stadtoberhaupt Hans Heribert Blättgen führt die Landesgartenschau als Begründung an. Im Frühjahr und Sommer würden die Veranstaltungen nachgeholt. Für Schneider eine Ausrede. Schließlich gehe es bei der Ansiedlung der Firma Galvaswiss um eine gravierende Frage.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative artikulieren ihr Unbehagen über den Betrieb. Sie verweisen auf Störfälle bei Galvaswiss, von denen sie durch Presseberichte im Internet erfahren haben. Im Juni 2005 entwich im schweizerischen Aarberg Salzsäure in die firmeninterne Kanalisation; die öffentlichen Gewässer blieben unbehelligt. In Oberndorf gelangte ebenfalls Salzsäure über eine Regenwasserleitung ins Kanalnetz. Bei einer Routinekontrolle wurden im Juli 2007 gravierende Schäden an den Abwasserrohren festgestellt. Elf Monate lang hielt die Neckar-Stadt alle Informationen darüber zurück.

„Ein Störfall kann in jedem Betrieb oder jedem Auto stattfinden“, meint der Oberbürgermeister. In seinen Augen ist Galvaswiss in keinster Weise schädlich. Und CDU-Fraktionschef Klaus Hocher ergänzt, nicht ein einziger Gutachter habe dem Gemeinderat irgendeinen Anlass zu Bedenken gegeben.

Die Arbeitsplätze werden thematisiert. Sind es 150 im Endausbau oder weniger als 120? Eine definitive Antwort hat keiner. „Wir kriegen hier eine deutliche Anzahl von nichtqualifizierten Arbeitsplätzen“, moniert Ulrich Schneider. Blättgen hält dagegen, gerade diese Arbeitsplätze würden gesucht, Fachkräfte seien Mangelware. Der OB folgert: „Unter gesamtwirtschaftlichen Gesichtspunkten ist das keine schlechte Ansiedlung.“

Kann sich die Kurstadt einen Industriebetrieb leisten? Erik-Heinz Vogel, ein Stammgast bei Gemeinderatssitzungen, hat da seine Zweifel. Am Ende ist sich der OB nicht sicher, ob Galvaswiss überhaupt noch kommen will. „Mit so einer Reaktion rechne ich täglich“, räumt er ein, „weil ich nicht weiß, wie hoch die Frustgrenze ist.“
02.02.2009


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