Chefredakteur diskutiert mit Bürgern


Uwe Ralf Heer Lokalpolitische Themen und die Meinung der Leser stehen im Mittelpunkt des Interesses, wenn Stimme-Chefredakteur Uwe Heer bei seiner Lokaltour in den Kommunen in der Region zu Gast ist.






Dringend gesucht: ein Kümmerer

Von Helmut Buchholz

Dringend gesucht: ein Kümmerer
Im Gespräch: Chefredakteur Uwe Ralf Heer (rechts) hatte ein offenes Ohr für die Böckinger. 46 von ihnen berichteten, was die Menschen im größten Stadtteil Heilbronns zurzeit umtreibt.Foto: Andreas Veigel 
Heilbronn - Die Böckinger machten ihrem Ruf, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, am Donnerstagabend alle Ehre: 90 Minuten sind normalerweise für die Lokaltouren angesetzt, in denen sich der Chefredakteur der Heilbronner Stimme, Uwe Ralf Heer, den Fragen der Menschen im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung stellt. Mehr als zwei Stunden waren es am Ende in der Gaststätte Alt-Böckingen. Offiziell. An den Tischen im Lokal ging die äußerst lebhafte Diskussion noch lange weiter.

Vor allem die sogenannten Stadtteilmanager waren ein Reizthema. Der Heilbronner Gemeinderat hat beschlossen, keinen neuen Profi im City-Management für die Stadtteile einzustellen. Stattdessen sollen sich Runde Tische mit der Ersten Bürgermeisterin Margarete Krug und Vertretern der Ortskartelle beispielsweise um Leerstände und Wirtschaftsförderung kümmern. Ein Böckinger bezeichnete diese Entscheidung als „schallende Ohrfeige“ für den größten Stadtteil von Heilbronn. Spontaner Applaus brandete im Lokal auf. „Wir brauchen professionelle Betreuung!“ So wie sie auch die Innenstadt hat.

Leuchtturm

Dass, wenn es um Böckingen geht, selbst in Kommunalwahlkampfzeiten Konkurrenten zusammenstehen, bewiesen die Stadträte Karl-Heinz Kübler (CDU) und Herbert Tabler (SPD). Ersterer monierte: „Wir haben einen Leuchtturm gefordert, kein Teelichtle.“ Sein Kontrahent war sich sicher: „So wie es geplant ist, wird es nicht laufen. Die Ehrenamtlichen sind überfordert.“ Er sprach damit einem dieser Ehrenamtlichen aus dem Herzen: Georg Link. Der Vorsitzende des Böckinger Rings weiß, was nötig ist: „Wir brauchen einen Kümmerer, einen, der die Probleme anpackt.“ Denn wo der Schuh in Böckingen drückt, das sei längst bekannt. Eine Einzelhändlerin konkretisierte: „In ein oder zwei Jahren brauchen wir keinen Stadtteilmanager mehr, dann ist Böckingen tot.“

Thomas Randecker, Vorsitzender des Gewerbevereins in Böckingen, wünschte sich auch eine „professionelle Wirtschaftsförderung“. Er bat jedoch darum, der jetzigen Regelung eine Chance zu geben. „Bis jetzt hat ja noch kein einziger Runder Tisch stattgefunden.“
Zersplittert Allerdings zeigte die lange Liste an Problemen, die die Böckinger ansprachen, dass ein Kümmerer in Böckingen sich tatsächlich nicht nur mit Wirtschaftsthemen beschäftigen muss. Die gesamte Versorgungsinfrastruktur wird immer schlechter. Auch wichtig, bisher unterschätzt: die Integration der vielen Menschen ohne deutschen Pass. Die „Zersplitterung“ in Böckingen habe dazu geführt, sagte ein im Vereinsleben Engagierter, dass der größte Stadtteil immer mehr an Stellenwert verloren habe.

04.04.2009


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