Ladies Night

Von Andreas Sommer

Die Stunde der Sexbomben
Gemeinsam sind sie stark: die sieben Local Heroes bei ihrer heißen Show im Großen Haus am Berliner Platz.Foto: Studio M 42 

Heilbronn - Vor 13 Jahren amüsierte sich das Kinopublikum weltweit über die Geschichte einiger arbeitsloser Stahlarbeiter aus dem britischen Sheffield, die als männliche Stripper in der Tradition der Chippendales nicht nur zu ein bisschen Geld, sondern auch wieder zu ihrem Selbstwertgefühl kommen wollten. "Ganz oder gar nicht" lautete der Titel der sympathischen britischen Filmkomödie "The Full Monty".

Dass der Stoff auch auf der Bühne gut funktioniert, zeigt Tatjana Reses Inszenierung von "Ladies Night" im Großen Haus des Stadttheaters. Mit minutenlangem Beifall und begeisterten "Zugabe"-Rufen feierte das Publikum am Freitagabend die Premiere des Stücks der beiden Neuseeländer Stephen Sinclair und Anthony McCarten, das ganz von der Präsenz der sieben Local Heroes lebt, wie sich Craig und seine Mitstreiter nennen.

Das Männerensemble macht seine Sache wunderbar in einer Inszenierung, die nicht nur den lakonischen Humor betont, sondern auch den ernsten Unterbau des Stücks durchschimmern lässt. An keiner Stelle des zweistündigen Abends driften Rese, die ein untrügliches Gefühl für das richtige Timing hat, und ihr Ensemble ins Derbe, Lächerliche oder Peinliche ab.

Pia Wessels hat eine einfache, aber raffinierte Bühne gebaut, die sowohl als Wartesaal im Arbeitsamt als auch als Trainings- und Fitnessraum dient. Craig (wunderbar wandelbar zwischen windig, aktionistisch und verletzlich: Nils Brück) hat die Idee zu den Local Heroes, denn die Hüllen fallen lassen und dabei ein bisschen mit dem Hintern wackeln, kann ja nicht so schwer sein.

Pfunde zuviel

Also steigt nach Dienstschluss im Arbeitsamt ein Casting vor den Augen von Craig und seinen Freunden Barry (sensibler Phlegmatiker mit ein paar Pfunden zuviel: Oliver Firit), Norman (naiver Stotterer: Felix Jeiter) und Graham (Autorität mit Anzug und Krawatte, aber arbeitslos wie alle: Tobias D. Weber). Graham gaukelt seiner Frau ein Arbeitsverhältnis vor und avanciert, weil er Format und Stil hat, zum Trainer: "Denkt an Travolta", gibt er als Losung aus.

Spiderman-Fan Paul (Rolf Rudolf Lütgens) schafft es nicht in die Truppe ("Ich dachte, ich versuch"s mal"), dafür Gavin (Alexander Darkow) mit einer köstlichen Performance zu "Voulez-vous coucher avec moi" und Wesley (Raik Singer als Spiderman-Fan mit authentischem Unterschichtprofil und Bewegungsdefiziten). Als letzter stößt Bernie dazu, dessen Zeitvertrag als Sachbearbeiter im Arbeitsamt ausläuft. Frank Lienert-Mondanelli gelingt eindrucksvoll die Wandlung vom feindlichen Bürospießer zum akzeptierten Mitstripper, der doch nie ohne seine Topfpflanze zum Training geht.

Beim flotten Training will Graham eine Rautenformation, aber die Jungs kapieren die Schrittfolge erst, als sie mit der Abseitsfalle verglichen wird. Man fühlt die Ängste der Männer angesichts des Tages der Wahrheit nach, erlebt nebenbei das Outing von Gavin und Norman als schwules Paar und Sylvia Bretschneider und vor allem Judith Raab in liebevoll ausgearbeiteten Nebenrollen als Teenies oder türkische Putzfrauen. Hinreißend: Raab als vielgeküsste Rosie vom Arbeitsamt.

Am Ende erobern die Underdogs mit einer heißen Entblößungsshow (Choreographie: Roland Gawlik) zu Tom Jones" "Sexbomb" ihr Selbstwertgefühl und ihre Würde zurück. "Ladies Night" ist prima Unterhaltung, die mit den gängigen Vorstellungen von körperlicher Attraktivität aufräumt. Nichts ist so sexy, als zu sich selbst zu stehen.



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