White − The Album! The Beatles! 1968!

Revolution zum Mitklatschen
Muntere Zeitreise einer durchgeknallten Truppe in die sechziger Jahre: "White" am Stadttheater Heilbronn mit Ensemble und Orchester.Foto: Studio M 42 

Heilbronn - Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben − und eine Inszenierung nicht nur nach dem ersten Teil beurteilen. Die Uraufführung des Beatles-Abends "White" am Samstag im Großen Haus des Stadttheaters begann schleppend und entwickelte sich nach der Pause zum Hit.

Mit ihrer einzigen Doppel-LP "The Beatles", die als das Weiße Album in die Rockgeschichte einging, versuchten die Fab Four aus Liverpool 1968 kurz vor ihrem Zerfall eine Gesamtschau ihrer Karriere. Dafür zitierten sie virtuos alle Musiker, die sie stilistisch beeinflusst hatten. Herausgekommen ist eine Reihe von 30 höchst unterschiedlichen Songs ohne inhaltlichen Zusammenhang.

Nach "A Day On Abbey Road" hat das Duo Michael Frei (musikalische Leitung, Arrangements) und Stefan Huber (Regie) im nicht ausverkauften Großen Haus unter dem sperrigen Titel "White − The Album! The Beatles! 1968!" das Weiße Album auf die Bühne gebracht − nach 135 Minuten langanhaltend beklatscht vom Premierenpublikum, das sich willig auf einen verrückten Trip mitnehmen lässt, der die Songs bebildert. Ein gut aufgelegtes, durchweg prima singendes achtköpfiges Ensemble und ein lustvoll agierendes Orchester (Leitung: Michael Frei) sorgen für gute Unterhaltung.

Eingeschwebt

Wie Astronauten schwebt die schräge Truppe mit Sylvia Bretschneider, Angelika Hart, Susan Ihlenfeld, Julia Klotz, Felix Jeiter, Gabriel Kemmether, Alexander von Hugo und Tobias D. Weber in die von styroporartigen Flocken übersäte Szenerie ein. Auf der von Karel Spanhak gestalteten Bühne klappt das weiße Album auf, und verdeckt leider für den Rest des Abends Teile des Orchesters, das erhöht im hinteren Bühnenbereich sitzt.

Mit "Back in The USSR" beginnt der Reigen, der sein Tempo zunächst stotternd entwickelt und dann richtig rundläuft. Netter Regieeinfall: Nach "Blackbird" geht das kollektive Schnarchen des Ensembles in ein Grunzen über , das wiederum im Harrison-Song "Piggies" mündet. "Rocky Raccoon" erzählt eine lustige Wildwestgeschichte.

Wer die Texte nicht kennt, mag sich über das seltsame Treiben auf der Bühne wundern. Da hilft manchmal Augenschließen, um die kraftvoll-fantasievollen Arrangements Freis und die berückende Zeitlosigkeit der Beatles-Songs zu genießen. Vielleicht wären auch die bewusstseinserweiternden Tropfen, die Sylvia Bretschneider als Ärztin Sadie verabreicht, eine Alternative?

Szenenbeifall gibt es für Tobias D. Webers starkes Solo "Yer Blues", in ein augenzwinkernd inszeniertes Gänseblümchen-Arkadien führt "Mother"s Nature Son". Intensive Momente wie bei "When My Guitar Gently Weeps" mit Ukulele-Boy Felix Jeiter und Susan Ihlenfelds Hippie-Martha wechseln sich ab mit Klamauk-Szenen, in denen sich die Akteure zum Affen machen müssen ("Everybody"s Got Something To Hide Except Me And My Monkey").

Ein hübscher Running Gag ist Jeiters Ukulele-Junge, der permanent "Ob-La-Di, Ob-La-Da" anzustimmen versucht. Bei "Revolution" klatscht das Publikum mit, der Ensemblechor unterstützt mit einem ironischen Shubidua. Denn die Beatles waren nicht politisch, sie waren nur gegen gewaltsame Veränderungen: "Und wenn Du von Zerstörung redest, dann weißt Du, dass Du mich abschreiben kannst." Shubidua.

17 und 20. Mai. Karten: Telefon 07131/563001 oder 563050.



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