39 Stufen

Richard Hannay nimmt die schöne Annabella mit nach Hause und findet sie am nächsten Tag tot in seinem Wohnzimmer. Er muss fliehen, denn die Polizei hält ihn für den Mörder. Gleichzeitig sucht er die wahren Täter, um seine Unschuld zu beweisen. Stecken die ominösen 39 Stufen dahinter, von denen Annabella gesprochen hat? Amüsement und Nervenkitzel sind garantiert in dieser rasanten Krimikomödie nach dem berühmten gleichnamigen Film von Alfred Hitchcock. In der Theaterfassung spielen 4 Schauspieler 25 Rollen.

Von Claudia Ihlefeld



„39 Stufen“: Das Leben ist wie eine Fahrt im Zug - nur durchgeknallter

Dass ein guter Film wie das Leben ist, aus dem man die langweiligen Momente herausgeschnitten hat, wusste Alfred Hitchcock. Eine absurde Handlung, unglaubwürdige Zufälle, ein unschuldiger Held, der seinen Ruf wieder herstellen muss, die rasche Abfolge wechselnder Schauplätze sind die Zutaten von Hitchcocks Film „Die 39 Stufen“, den er 1935 dreht nach dem Roman von John Buchan.

Mit Patrick Barlows Bühnenbearbeitung der Krimikomödie in der Regie von Martina Eitner-Acheampong empfiehlt sich das neue Team als Komödiantentruppe, zumindest die vier Schauspieler, die im fliegenden Wechsel in ein Paar Dutzend Rollen schlüpfen und das Komödienhaus als Bühne eines aberwitzigen Theatervergnügens nutzen.

„Die Wahrscheinlichkeit interessiert mich nicht“, soll Hitch gesagt haben, der auch in Heilbronn zwei, drei kleine Auftritte hat. Die Handlung: ein Gentleman in misslicher Lage, der aufbricht, den Spionagering der „39 Stufen“ aufzudecken. Richard Hannay heißt der Mann, der die Frauen liebt und zum Jäger und Gejagten wird. Wie einen Kinoerfolg auf die Bühne bringen? Filmschnitte umsetzen in die Jetztzeit des Theateraugenblicks, der Umbauten überbrücken muss und Illusionen schaffen von blökenden Schafen, schottischem Hochmoor und Verfolgungsjagden entlang der Außenwand fahrender Züge?

Mit einer Fülle an Bezügen, Zitaten, Anspielungen, skurrilen Bildfindungen und raffinierten Bewegungsabläufen übersetzen Regie und Bühnenbildner Matthias Wust die haarsträubende Geschichte. Einen wichtigen Part erfüllt Gregor Hengesbach, Musiker, Komponist, Soundarrangeur, der an der E-Gitarre, am Keyboard und Schlagzeug Atmosphären schafft, für Rhythmus sorgt, quietschende Türen und brutzelnde Heringe. Der Charme: Jeder Rollentausch, jedes Bäumchen-wechsel-dich, alle Ortswechsel finden vor unseren Augen statt.

Während der Show von Mister Memory, dem Superhirn, flüchtet sich Annabella in die Loge von Hannay. Ein Schuss fällt, die Spionin, die sich Agentin nennt, bittet ihn, sich in seinem Apartment verstecken zu dürfen. Als die Schöne ihm dort mit einem Messer im Rücken in die Arme stürzt, weiß Hannay, dass die Warnung ernst ist vor den „39 Stufen“, einer Geheimorganisation, deren Kopf ein Professor ist, der stets andere Identitäten annimmt und beste Kontakte pflegt bis in die obersten Etagen der Staatsmacht.

Mit punktgenauem Witz und hemmungslosem Spaß am Spiel ist Daniela Schober die Annabella, ist Margaret und Pamela, ist Alexander Hannay ein köstlicher Held wider Willen. Und geben Gabriel Kemmether und Oliver Firit das komplette Personal eines souverän durchgeknallten Klamauks: vom Conferencier, Pilot, Bösewicht, Zugschaffner, Wachtmeister zur Hotelwirtin.

„Das Leben ist wie eine Fahrt im Zug“, philosophiert Hannay. „Jeder Tag ist nur eine Haltestelle vor der Endstation.“ Die ist nach zwei Stunden erreicht, der Kreis schließt sich. Wie? Anschauen!