Ständig auf der Suche nach guten neuen Bands

Von unserem Redakteur Alexander Rülke

Ständig auf der Suche nach guten neuen Bands

Abstatt - So richtig Freizeit hat Torsten Hartmann eigentlich nie. Dabei ist es egal, ob er im Büro seiner Firma in Abstatt sitzt − oder zu Hause bei seiner Frau Andrea und den beiden Töchtern ist. Die Arbeit rund um Musik ist sein ständiger Begleiter. "Neulich saß ich das gesamte Wochenende daheim am Computer, weil es so viele Dinge zu erledigen gab", sagt der gelernte Heilerziehungspfleger, der sich 1991 mit Massacre Records selbstständig machte und das Heavy-Metal-Label im Verlauf von zwei Jahrzehnten unter die Top drei in Deutschland geführt hat. "Doch das Ganze macht mir immer noch großen Spaß, auch wenn die Zeiten härter geworden sind."

Einbruch Seit der Euro-Einführung sind die CD-Verkäufe auf breiter Front eingebrochen − streckenweise um bis zu 50 Prozent. Auch Massacre Records ist von diesem Trend betroffen − und das, obwohl Heavy-Metal-Fans als besonders treue Kunden gelten. Torsten Hartmann: "Immer schnellere Internetverbindungen haben es möglich gemacht, Musik in Rekordzeit herunterzuladen. Teilweise legal gegen Bezahlung, oftmals aber auch illegal. Das macht uns das Leben schwer." Nach einigen Jahren, in denen es nur bergab ging, habe man nun stabile Verkaufszahlen erreicht. "Im Jahr 2010 haben wir rund 350 000 CDs und 30 000 Downloads verkauft. Ich denke, dass wir auch 2011 dieses Niveau halten konnten, endgültige Zahlen liegen noch nicht vor." Ein weiteres Problem hat Hartmann zudem an anderer Stelle ausgemacht: "Was Veröffentlichungen, Konzerte und Festivals angeht, herrscht in Deutschland ein Überangebot. Doch das Geld der Fans reicht nun mal nicht für alles."

Fünf bis zehn Demos landen täglich auf dem Schreibtisch von Torsten Hartmann. Dazu kommen digitale Einsendungen per E-Mail. Nur die besten, originellsten oder einzigartigsten Musiker schaffen es, unter Vertrag genommen zu werden, um ein Album aufnehmen und produzieren zu können. Sind alle Songs eingespielt, beginnt für Massacre Records das Tagesgeschäft. Das reicht von der Cover-Erstellung über die Presse-Bemusterung bis zur Schaltung von Anzeigenkampagnen. "Wir übernehmen die Promotion, vermitteln Interviews, erstellen ein Presskit und versuchen, unsere Bands ins Vorprogramm großer Künstler zu buchen."

Vielfalt Im Schnitt erscheinen pro Monat drei neue Alben auf Massacre Records. Dabei ist man nicht auf eine Stilrichtung festgelegt. Vom melodischen Heavy-Rock bis zum brachialen Death Metal reicht die Spanne. Die erste Veröffentlichung ging damals in die härtere Richtung − Baphomets "No Answers". Torsten Hartmann: "Das Album ist seinerzeit relativ gut gelaufen. Also haben Baphomet-Sänger Thomas Hertler und ich weiter daran gearbeitet, Massacre Records aufzubauen." Das Konzept, mit qualitativ guten, aber unbekannten Bands in der Fachpresse auf sich aufmerksam zu machen und so im Lauf der Zeit Kontakt zu größeren Combos zu knüpfen, ist aufgegangen. Schließlich gehören heute Szene-Größen wie King Diamond, Crematory, Eisregen oder Legion Of The Damned zum Portfolio. Aber: Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen wird schwieriger. Zwar gebe es viele junge Nachwuchsbands, die ihre Instrumente beherrschen und mit guten Eigenproduktionen gefallen, doch bleibe der Aha-Effekt oft aus. Hartmann: "Heavy Metal ist erfunden, es gibt kaum noch Innovationen. Trotzdem werden wir weiter nach erfolgversprechenden Bands suchen." Die Arbeit − sie wird dem 55-Jährigen auch in Zukunft nicht ausgehen.

Mehr im Internet

www.massacre-records.de

Ständig auf der Suche nach guten neuen Bands


termine23besenkalenderverkehrspiele




Archivsuche