Ohne Gummihandschuhe

Von Michaela Adick

Ohne Gummihandschuhe
Sind bei den Probearbeiten näher zusammengerückt: Cosima Greeven (rechts), Angelika Hart und Sabine Unger.Foto: Guido Sawatzki 

Heilbronn - Was war er doch für ein Theaterverrückter. 16 Stücke hatte Werner Schwab zu Beginn der 90er Jahre geschrieben: in drei Jahren. Und dann war Werner Schwab plötzlich tot. Mit 4,1 Promille hatte man ihn am Neujahrstag 1994 in seiner Wohnung in Graz aufgefunden.

Seine Stücke, kleine, bösartige Stücke über hässliche Verhältnisse kleiner Leute werden bis zum heutigen Tag gern gespielt. "Dieser Schwab war ein hartes Stück Arbeit für uns, er steckt uns ganz schön in den Knochen." Die drei Schauspielerinnen haben gut Murren: Seit Wochen haben sich Sabine Unger, Angelika Hart und Cosima Greeven mit der Kunstdialektsprache Werner Schwabs − Kenner sprechen von Schwabologisch − und seinem Schauspiel "Die Präsidentinnen" auseinander gesetzt. Am Samstag ist Premiere in den Kammerspielen. Regie führt Axel Vornam.

Kleinbürgerinnen

"Endlich ist es so weit", sind sich die erschöpften Präsidentinnen Erna (Sabine Unger), Grete (Angelika Hart) und Mariedl (Cosima Greeven) einig. Denn ihre Präsidentinnen, Kleinstbürgerinnen fortgeschrittenen Alters, haben sie ganz schön mitgenommen. Erna, die das eiserne Sparen zur Selbstbestätigung erhoben hat. Grete, die Genießerin, die sich mit fraulichen Attributen schmückt. Mariedl, die gottesfürchtige Putzfrau, die es ohne tut. Ohne Gummihandschuhe.

"Die drei haben sich eine geschlossene Welt gebastelt", versucht Hart die Grundkonstellation zu fassen. "Eine Art Notgemeinschaft dreier einsamer, nicht gerade empathiebegabter Frauen ist entstanden." Immerhin haben Schwabs Präsidentinnen noch nicht aufgegeben. "Sie ringen um Würde", so Greeven. "Aber in einer Rigorosität, die erschaudern lässt", fällt Sabine Unger, Präsidentin Nummer drei, ins Wort. Eng scheinen die drei in den Proben zusammengerückt zu sein. Das Präsidentinnentum färbt ab. Und das Schwabologisch.

Aber trotzdem haben sie Schwab lieben gelernt, seine Textkonvolute, die sich kaum kürzen ließen. "Er ist so radikal böse", versucht Greeven die Faszination zu erklären. "Dabei hat er einen schwarzen Humor", fällt Unger ein. "Das hat fast etwas Kabarettartiges." Hart ist nicht ganz einverstanden. "Schwab führt uns das Vergnügen am Untergang vor."

Samstag, 20 Uhr, Kammerspiele.



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