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Musiker wünschen sich mehr Mitsprache
Von unserem Redakteur Uwe Grosser
Heilbronn - Der Geschäftsführer geht, die Stiftung kommt. Beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn (WKO) ist einiges im Umbruch. Was bleibt, ist die künstlerische Seite des Unternehmens, also die Musiker. Die wurden vom Wechsel des Geschäftsführers Frank Druschel zum Tonkünstler-Orchester Niederösterreich überrascht, der am Montag bekannt wurde (wir berichteten).
Neubeginn Dass Druschel im Orchester nicht das beste Ansehen genießt, ist kein Geheimnis. Dennoch gratulierte ihm das Gros der Musiker zu diesem Karriereschritt. Auch der Betriebsratsvorsitzende und derzeitige Stimmführer der Zweiten Geigen, Johannes Hehrmann: "Ich habe ihm persönlich alles Gute gewünscht." Und fügt hinzu: "Auf die Art und Weise ist jetzt die Möglichkeit für einen Neubeginn gegeben."
Einen Neubeginn wird es mit Sicherheit geben, wenn der Orchesterverein die Trägerschaft des Orchesters an die am Freitag gegründete Stiftung Württembergisches Kammerorchester Heilbronn übergibt, was für März oder April geplant ist. Vereinsvorsitzender Lutz Wagner: "Das hängt jetzt vom Regierungspräsidium ab", das die Stiftungssatzung genehmigen muss.
Danach hat der Stiftungsrat das Sagen in allen zentralen Fragen. Dazu gehört laut Satzung unter anderem "die strategische Ausrichtung des WKO", die Wahl und Abwahl des Geschäftsführers, aber auch die Beschlussfassung über den Haushaltsplan. Sieben Personen bilden den Stiftungsrat (siehe Hintergrund) unter dem Vorsitz von Kreissparkassenchef Ralf Peter Beitner, wobei die Vertreter von Stadt und Land als wichtigste Geldgeber je zwei Stimmen haben.
Zweites Stiftungsorgan ist der Vorstand, der die Geschäfte führt. Er besteht aus ein bis drei Mitgliedern, Vorsitzender ist immer der WKO-Geschäftsführer. Ein wichtiger Passus in der Satzung: "Personalangelegenheiten dürfen nur im Einvernehmen mit dem Stiftungsratsvorsitzenden vorgenommen werden", also mit Beitner. Der Vorstand wird vom Stiftungsrat kontrolliert, analog zu Vorstand und Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft.
Konstanz Was aber ist der Vorteil einer Stiftung gegenüber einem Verein? "Kurze Entscheidungswege", nennt Beitner, der in Sachen Stiftungen kein Neuling ist, als wichtiges Argument. 2001 hat er die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig mit aus der Taufe gehoben: "Das ist mein Baby." Ein weiterer Vorteil ist die klare strategische Linie einer Stiftung. Darauf hat die Münchner Unternehmensberatung Metrum bereits hingewiesen, die das WKO 2011 unter die Lupe genommen hat: In einem Verein sind bei Mitgliederversammlungen alljährliche neue Mehrheiten möglich, also auch häufigere Richtungswechsel.
Für den Betriebsratsvorsitzenden Hehrmann ist mit der Änderung der Strukturen zunächst noch nichts Wesentliches passiert: "Es kommt immer auf die Inhalte an." Ihm geht es vor allem um die Mitspracherechte der Musiker, und das schon bei der Wahl des neuen Geschäftsführers: "Ich setze bei so einer wichtigen Position auf eine einstimmige Entscheidung."
Doch auch in künstlerischen Fragen oder bei der Planung der Dienste wünschen sich die Musiker mehr Mitsprache. Weil die bisher verweigert worden sei, habe das Orchester auch keinen Vorstand gewählt. Jetzt wird das aber nötig, damit die Musiker ihren Platz mit Stimmrecht im Stiftungsrat einnehmen können.
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