Latexhäute und Radieschen-Holz

Von unserem Redakteur Andreas Sommer

Latexhäute und Radieschen-Holz
Wandobjekt aus Latex: Susanna Messerschmidts "Ohne Titel − Ungleiches Paar" (1997) beschäftigt sich mit dem Thema Haut.Fotos: Andreas Veigel 

Heilbronn - Es ist wieder "Blickwechsel" angesagt in den Städtischen Museen im Deutschhof, die seit der Eröffnung der Kunsthalle Vogelmann und dem Umbaubeginn im eigenen Haus ein wenig im Windschatten liegen. Unter dem Titel "An der Wand, aus der Wand" sind bis 7. April Reliefs und Wandobjekte aus der eigenen Sammlung von 35 Künstlern zu sehen. Eine Präsentation ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die aber einen durchaus aufschlussreichen Überblick über das Genre von 1957 bis heute gibt.

Zeitkritik transportieren vielfach die klassischen Reliefs wie Alfred Hrdlickas (1928-2009) Antikriegs-Arbeit "Brudermord", Richard Heß’ (1937) "Solidarität" oder Gerhard Marcks’ (1889-1981) "Entwurf für Hannover" (1957), eine Bronzetür für die Marktkirche, die die deutsche Vergangenheit aufarbeitet. Die Werke sind der figurativen Tradition verpflichtet mit gelegentlichen Abstechern in die Abstraktion.

Südstudio

Die jüngere Generation ist mit Wandarbeiten vertreten, die das Thema Hängen aufgreifen: Susanna Messerschmidts (1962) Latexarbeit "o.T." (1997) zum Thema Haut gehört dazu oder Peter Sauerers (1958) Arbeiten, die durch ihre Beiläufigkeit überraschen. Sein "Saddam" holt den irakischen Diktator vom Sockel in den Sarg. Viele Künstler der verdienstvollen früheren Südstudio-Reihe sind hier dabei.

Lichtobjekt

Kinetische (bewegliche) Objekte zeigt Erwin Herbst (1958), dem die Wand mit ihren Schatten ebenso als Reflexzone dient wie Jan van Munsters (1939) Lichtobjekt "Brainwave" (2002). Der Objektkasten von Bettina Bürkle (1961) zum 4. Dezember 1944 reflektiert die Gedächtnisleistung, die Bilder schichtet und überlagert.

Im Erdgeschoss bieten Reliefs der 70er Jahre ein Sammelsurium an Motiven und Materialien. Wie ein Schrein wirkt Jürgen Brodwolfs (1932) "Beinschiene" (1978), während Walter Giers’ (1937) "Kleines Lichstpiel" in die Urzeit der Elektronik 1974 entführt. Der Raum mit Holzarbeiten zeigt einfache Kinetik wie bei Andreas Welzenbachs (1965) "Erdbeben", das der Besucher selbst auslösen darf. Werner Mally (1955) denkt mit dem Material. Er hat frisches Buchenholz entkernt, wie ein Radieschen aufgeschnitten und lässt das Holz ziehharmonikaartig durch das Eigengewicht von der Wand klappen: Und "Drehmoment" (2004) ist fertig.

Reliefs, Wandobjekte; Städtische Museen Heilbronn, bis 7. April.

Latexhäute und Radieschen-Holz
Wilhelm Loth (1920-1993): "Relieftorso" (Bronze, 1961). 
Latexhäute und Radieschen-Holz


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