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In der Vereinfachung liegt die Kraft
Von unserer Mitarbeiterin Michaela Adick
Heilbronn - Es geht um die Bratsche, genauer gesagt um die Bratsche als verkanntes Instrument. Bis ins 20. Jahrhundert hatte sie es schwer. Als Stiefkind behandelt, fristete sie weitestgehend ein Schattendasein. Man brauchte sie, gewiss, geliebt wurde sie indes nicht.
Solo-Literatur war Mangelware, von einer angemessenen Anerkennung ganz zu schweigen. Was wuchs, war die Sammlung von mehr oder weniger geglückten Bratscherwitzen. Bratschisten galten als die Ostfriesen der Musikerwelt: Eine mehr als nur hartnäckige Geschichte der Vorurteile, die noch einer eingehenderen Einordnung bedarf. Aus gutem Grund führte Lothar Heinle also in einem Perspektiven-Konzert im Foyer der Städtischen Museen im Deutschhof die Bratsche als verkanntes Instrument ein, in das man sich doch bitte konzentriert hineinhören möchte.
Spezialist Mit dem Italiener und Xenakis-Preisträger Maurizio Barbetti hatte der künstlerische Leiter der vom Kulturring veranstalteten Konzertreihe einen Spezialisten für Neue Musik engagiert: Unzählige Komponisten, von Ennio Morricone bis Lucio Berio, haben Werke speziell für Barbetti geschrieben. Im umjubelten Perspektiven-Konzert machen gleich drei Komponisten dem in Ancona lebenden Barbetti ihre Aufwartung. Es ist eine Ehrensache für Aldo Brizzi, Ernst Helmuth Flammer und Peter Förtig dabei zu sein an diesem Abend.
Acht kurze und kürzeste Kompositionen präsentiert Barbetti, wobei sich im Laufe des Konzerts immer wieder faszinierende Verbindungslinien auftun: Etliche Lehrer-Schüler-Beziehungen etwa. Aldo Brizzi ist ein Schüler des 1988 verstorbenen Giacinto Scelsi, der 1949 in Heilbronn geborene Ernst Helmuth Flammer studierte einst bei Peter Förtig in Freiburg. Alle vier Komponisten präsentiert Barbetti eingehend, dazu kommen Arbeiten von Yuji Itoh, Krysztof Penderecki, Nicola Sani und Luciano Berio. In kleinen Gesprächen geht es darum, die Stücke, wenn nicht zu erklären, das ist eher eine Aufgabe für den Musikwissenschaftler, so doch einzuordnen. Über Reduktion geht es und das Prinzip der Vereinfachung, um Polyphonie und Quellensuche.
Suche Auch hier geht es also wieder um die Suche nach Verbindungslinien. Bei Peter Förtigs "Monolog für Viola Solo" macht dessen Schüler Ernst Helmuth Flammer etwa Einflüsse der zweiten Wiener Schule, Alban Berg und Arnold Schönberg, geltend. Förtig widerspricht nicht.
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