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Im Garten tobt der Kampf um die Macht
Von unserem Redaktions- mitglied Stefan Maurer
Heilbronn - Viele filmische Elemente hatte Regisseur Thorsten Krug vor der Premiere von "Die Wanze" in den Kammerspielen des Stadttheaters versprochen − er hielt Wort. Mit "Ich bin Muldoon, Wanze Muldoon", zeigt Schauspieler Raik Singer erstmals sein Gesicht, nachdem zuvor nur seine Finger auf dem Rand der überdimensionierten, bemalten Flasche, die das Bühnenbild bildet, zu sehen waren.
Das Fingerspiel erinnert an ein kleines, flinkes Krabbeltier, der Satz an Bond, James Bond. Nicht die einzige Anspielung auf den Agenten im Dienste ihrer Majestät. Später wird Krag, der Sicherheitschef des Ameisenstaates, zu Muldoon sagen: "Enttäuschen sie mich nicht." Ein Satz, den Bonds Chefin M allzu oft an ihren Superagenten richtet.
Seltsames Schmatzen Muldoon ist kein Geheimagent, sondern Privatdetektiv oder Schnüffler, wie er selbst sagt. Krag, der ihm den Auftrag erteilt, den "Klub der unverwechselbaren Ameisen", eine Unabhängigkeitsbewegung im Ameisenstaat, aufzuspüren, erinnert mit zugekniffenem Auge, vor der Brust verschränkten Armen und einem seltsamen Schmatzen zwischen den Worten an Bösewicht Jens Maul aus Michael "Bully" Herbigs "(T)Raumschiff Surprise − Periode 1".
Der Ameisenklub, mit seinen konspirativen Treffen am Ende des Regenabflussrohrs, ähnelt dem "Club der toten Dichter" aus Peter Weirs gleichnamigem, oscarprämierten Film. Während der Streifen aus dem Jahr 1989 Shakespeares "Sommernachtstraum" enthält, bedient sich Regisseur Krug bei "Hamlet". "Etwas ist faul im Ameisenstaat", sagt Muldoon, als er einer Verschwörung auf die Spur kommt, mit deren Hilfe Krag, die Wespen und eine neue Ameisenkönigin die Macht im Garten an sich reißen wollen.
Die Geschichte hat alles, was ein Krimi braucht: Verfolgungsjagden, Observationen, Hinterlist, einen gutmütigen Helfer und eine hilfebedürftige Schönheit.
Leiser Held Diese Rolle fällt der Ameise Clarissa zu: Sie hat die Verschwörung entdeckt und ist nun in Gefahr. Singer spielt sie mit hoher Stimme und aufrichtiger Verzweiflung. Der stotternden Stubenfliege Jake, dem leisen Helden der Geschichte, − er rettet Muldoon zwei Mal das Leben − verleiht der Akteur mit viel Spucke und einem latenten Kratzen am Hals einen ganz besonderen Charme.
Die amtierende Ameisenkönigin stellt Singer mit großem Pathos dar, die Wespenkönigin kann es mit schriller Stimme und Stehkragen mit jeder bösen Hexe aufnehmen und der Mistkäfer, Inhaber von Muldoons Stammkneipe Dixies Bar, spricht mit tiefer Stimme sächsisch vom Feinsten. Der Schauspieler akzentuiert jede seiner 14 Rollen mit Gestik, Mimik und Sprache. Die Zuschauer, egal ob jung oder alt, erkennen die Figuren sofort wieder.
Krug und Singer ist die Umsetzung von Paul Shiptons Roman gelungen. Die Jungen erfreuen sich an frischem Wortwitz, Filmfans haben viel zu lachen und die Älteren werden zum Nachdenken über gesellschaftspolitische Themen wie Freiheit und Individualität angeregt.
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