Griff in die Trickkiste

Heilbronn - Americana made in Germany: Markus Rill The Troublemakers im Red River

Von Michaela Adick

Heilbronn - Er hätte ja auch nach Philadelphia gehen können, nach Seattle oder San Diego. Ein paar Seminare hätte er dort besucht und nebenbei sein Englisch aufpoliert.

Was man so tut in einem Auslandsjahr. Alle Fünfe gerade sein lassen, dasLeben genießen. Doch Markus Rill, der in den 90er Jahren in Würzburg Englisch und Sozialkunde studierte, hatte seine eigene Vorstellung vom Leben. Ihn zog es magisch nach Austin, ins tiefe Texas − und bald in die Sessions der örtlichen Rockkneipen. Als ob der jetzt 40-jährige Franke Lebenserfahrung sammeln sollte. Denn eines war dem Mann mit der angerauchten Stimme bald klar. Nicht Lehrer würde er werden, sondern Gitarrist und Singer/Songwriter, jemand, der den Southern Roots-Rock, diese erdige Version der Americana, nach Deutschland bringen würde. Die Amerikaner hatten Johnny Cash. Die Deutschen Bruce Low. Es bestand Handlungsbedarf.

Mit seinen Troublemakers gastierte Markus Rill nun im Heilbronner Red River, seiner soliden baeyrischen Hausband. Felix Leitner ist sein Mann an Gitarre und Gesang, Chris Reiss ist sein Bassist, Aggi Berger gibt am Schlagzeug den Rhythmus an. Einige Coverversionen von Bob Dylan und Johnny Cash spielt Rill, Stücke, die er letztens auf einer Platte mit dem sprechenden Titel "Bag of Tricks", Griff in die Trickkiste, zusammengefasst hat.

Schattenseiten

Doch auch mit der Verehrung des Man in Black muss es einmal ein Ende haben. Eigene Songs von seiner neuen Scheibe "Wild Blue True" stellt Markus Rill im Red River vor, Songs über das Schicksal von Natascha Kampusch etwa, über die Schattenseiten des Lebens des King of Rock "n" Roll, dem "Kid from Tupelo", über einen Klassenkameraden, der sich aufgehängt hat: "The Boy who never was my Friend". Bestes Songmaterial, das anrührt, ehrlicher Southern Rock made in Southern Germany.

Was soll man auch in Deutschland, dem ewigen Stauland, von elendig langen Highway-Fahrten singen. Abwechslungsreich in der Genre-Tönung ist Markus Rill dabei.

Ein Hauch von Soul gönnt er sich, einen kleinen Touch Blues, eine gerade noch so spürbare Anmutung von Irish Folk. "Es gibt doch keine Kleeblätter im Publikum?", fragt er augenzwinkernd. Glück gehabt, die Irland-Fanatiker glänzen an diesem Abend durch Abwesenheit.

Einen Scherz über die irischen Stepper darf er sich ungestraft leisten. Vor ein paar Jahren erhielt Markus Rill übrigens einen ganz besonderen Ritterschlag.

Edgar Heckmann, der Label-Chef von Blue Rose Records in Abstatt, nahm ihn unter Vertrag, als einzigen deutschen Singer/Songwriter aus der Americana-Ecke. Normalerweise wird Edgar Heckmann, man ahnt es ja schon, in Austin, Texas, fündig. Der Stadt, in der für Markus Rill einst alles begann.