Fesselnde Rehabilitierung

Von unserem Mitarbeiter Martin Betulius

Beilstein - Im Schloss ist der Musiksaal beim Konzert des Schubert-Quartetts voll, obwohl man außer Mozarts Dissonanzenquartett KV 465 ziemlich Unbekanntes bietet. Bei Mozart erfreut besonders der Menuett-Satz, da er nicht, wie heute Mode, in zu raschem Scherzo-Tempo, sondern in fast robuster Prägnanz erklingt, da in diesem Raum das Streichquartett, das nach seinem Primarius Stefan Schubert heißt, fast sinfonisch wirkt. Und welchen Elan gewinnt das Finale, in dem die leise Modulation nach Moll auffällt.

Eine sympathische Überraschung sind die "Three Idylls" des Engländers Frank Bridge. Bei uns spielt man fast nur Sinfonisches aus dieser Zeit. Bridge wird bei uns kaum als Kleinmeister wahrgenommen, obwohl seine Kammermusik, wie sich jetzt zeigt, bedeutend wirkt. Welch sonores, thematisch dichtes Adagio, darauf im zart endenden Allegretto nach schönem Cello-Solo Georg Oyens das spritzige Allegro mit sieghaftem Forteschluss.

Dann die "Voces intimae" Opus 56 von Sibelius. Ihn verunglimpft René Leibowitz 1959 in einem Pamphlet als "schlechtesten Komponisten", was der Musikphilosoph Adorno billigt. Die schmerzvolle Größe des zentralen Adagiosatzes der "Voces intimae" umrahmen teils huschende, teils feurig-furiose, motorische Sätze. Auch dank der rasanten Wiedergabe des Schubert-Quartetts folgt nach den fünf Sätzen langer Beifall. Dies zeigt einmal mehr, das Urteil von Leibowitz sei als bodenlose Unverschämtheit eines extremen Avantgardisten zu werten.



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