Druschel verlässt Kammerorchester

Von unserem Redakteur Uwe Grosser

Druschel verlässt Kammerorchester
Nach sechs Jahren verabschiedet sich Geschäftsführer Frank Druschel vom Württembergischen Kammerorchester Heilbronn.Foto: Archiv/Sawatzki 

Heilbronn - Am Freitag war er noch zum Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Württembergisches Kammerorchester Heilbronn erklärt worden, gestern gab er seinen Abschied bekannt: Frank Druschel, seit 2006 Geschäftsführer des WKO, wechselt im Mai als Orchester-Direktor nach Wien zum Tonkünstler-Orchester Niederösterreich.

"Für mich persönlich ist das die logische Fortentwicklung", erklärte Druschel gegenüber unserer Zeitung. Anfang Dezember hat er sich auf die Stelle beworben, Ende letzter Woche erhielt er "nach einem ganz normalen Bewerbungsverfahren", so Druschel, die Zusage. "Ich gehe nicht im Zorn," versichert der Orchestermanager, auch wenn die letzten beiden Jahre nicht einfach für ihn waren. Die Querelen zwischen dem Orchester und Druschel, die 2010 offen ausgebrochen sind, wirken immer noch nach. Doch gestern Morgen "haben fast alle Musiker mir die Hand geschüttelt und mir gratuliert", freut sich Druschel.

Bewegende Zeit Für den Geschäftsführer "war es ja nicht nur eine komplizierte Zeit, sondern auch eine bewegende mit vielen großartigen Momenten, und das überwiegt". Bis sein Nachfolger feststeht, übernimmt ab Mai Druschels Assistent Martin Windhorst kommissarisch das Amt des Geschäftsführers.

Chefdirigent Ruben Gazarian, der mit Druschel nicht nur dienstlich zusammenarbeitet, sondern auch befreundet ist, bekennt: "Ich bin ein bisschen traurig, aber ich freue mich natürlich auch für ihn. Das ist der richtige Schritt." Vor allem, weil Druschel in Wien intensiver in den künstlerischen Bereich eingebunden sei als beim WKO. "Wir haben hier sehr gut als Tandem, gearbeitet", so Gazarian, "er hat seinen Bereich sehr gut abgedeckt, so konnte ich mich auf die Musik konzentrieren". Und wann folgt Gazarian seinem Freund nach Wien? Da lacht der Dirigent: "Wann wo was geschieht, das weiß ich nicht, das weiß niemand." Gazarians Vertrag läuft jedenfalls bis 2015.

Verständnis für den Wechsel zeigt auch Lutz Wagner, Vorsitzender des Orchestervereins und damit Druschels Arbeitgeber: "So sehr ich persönlich bedauere, dass uns Herr Druschel in Richtung Wien verlassen will, so sehr habe ich doch auch Verständnis für diesen Schritt, bedeutet es doch für ihn als künftigem Direktor eines Sinfonie-Orchesters mehr Verantwortung und sicherlich einen Schritt auf der Karriereleiter." Bei der Suche nach einem Nachfolger will der Orchesterverein eng zusammenarbeiten mit den Stiftungsverantwortlichen, denen noch vor Druschels Wechsel im März oder April die Trägerschaft des Orchesters übertragen werden soll.

Keine Stellungnahme Von Seiten der Musiker, die 2010 öffentlich Stellung bezogen gegen Druschel, war gestern keine Stellungnahme zu bekommen. Ihr Sprecher, Betriebsratsvorsitzender Johannes Hehrmann, war nicht zu erreichen.

In Wien wird Druschel Direktor von 100 Musikern. Geleitet wird das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich von Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada. In seinen Residenzen Musikverein Wien, Festspielhaus St. Pölten und Festivalstandort Grafenegg gibt es jährlich rund 120 Konzerte, dazu kommen Tourneen, ein umfangreiches Educationprogramm und ein eigenes CD-Label.

Kommentar "Neustart"



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