Diese pure Lust am Leben

Von unserer Mitarbeiterin Michaela Adick

Diese pure Lust am Leben
Lassen keine Wünsche offen: Marshall & Alexander geben ihrem Publikum in der Harmonie, was es braucht.Foto: Thomas Braun 

Heilbronn - Jetzt muss man tapfer sein, sehr tapfer. Um große Gefühle geht es hier schließlich, nicht um Larifari-Gedusel. Mit solchen Petitessen geben sich Marc Marshall und Jay Alexander nicht zufrieden. Marshall & Alexander mögen es groß. Um Grande Amore geht es ihnen und um das Miserere, das nicht weniger große Elend, wenn die Grande Amore perdu ist.

Wer sich darauf nicht einlassen mag, der wird sich furchtbar fehl am Platze gefühlt haben in der mit über 1000 begeistert mitgehenden Fans mehr als ordentlich besuchten Harmonie Heilbronn. Wer indes für drei Stunden die Realitäten ausblendet, der wurde fabelhaft unterhalten von den ungekrönten Königen des Klassikpops, die zur "Show italiano" eingeladen hatten. Drei Stunden prächtige Realitätsflucht bieten Marcello und Alessandro, drei Stunden herrlichsten Eskapismus mit Sonne und Vino, Vespa-Folklore und Capri-Fischer-Romantik. Um die "Gioia de Vivere" geht es ihnen also, die pure Lust am Leben. Ein Leitmotiv, das einen langen Abend trägt, der Weg von Enrico Caruso bis Adriano Celentano ist nicht gar so weit, wie man annehmen könnte.

Wo sie nicht überall fündig werden. In der Welt der Herz-Schmerz-Opernarien natürlich, ihrer angestammten musikalischen Heimat, aber auch beim Schlager. Eigene Chansons schmuggeln sie hinein, klasse Schmuggelware, die sich nahtlos einfügt und ganz auf die sicheren, aber sicherlich nicht aufregenden Stimmen des Duos abgestimmt sind. An der Hochschule in Karlsruhe haben sie − Marc Marshall ist Bariton, Jay Alexander Tenor − einst ihr Handwerk gelernt.

Entertainer

Aber was wäre der Abend ohne diese Band unter der Leitung von Frank Lauber, was wäre ein italienischer Abend ohne Akkordeon, ohne Mandoline und Gitarre? Ganz nebenbei entpuppen sich Marcello und Alessandro auch als Entertainer der alten Schule. Mit einem Timbre, bei dem Dean Martin erblasst wäre, läuft Marshall beim "Mambo Italiano" von Rosemary Clooney zu Höchstform auf. Da stimmt alles, da gibt jemand selbstironisch dem Affen Zucker, inklusive köstlichem Po-Wackel-Contest.

Zitronentanz

Und dann kommt auch schon die Stunde für die Gewinner einer Aktion der Heilbronner Stimme: Edelgard Muth-Inga aus Gundelsheim und Inge Blumhagen aus Bad Rappenau werden von Marshall & Alexander auf die Bühne gebeten und zum ach so pikanten Zitronentanz aufgefordert, bei dem man die unters Kinn geklemmte Frucht weitergeben muss. Noch so eine köstliche Erinnerung an die spießigen 50er Jahre. Aber sind sie nicht unverzichtbar, die "Capri-Fischer" von Rudi Schuricke und die "Zwei kleinen Italiener" von Conny Froboess? Bevor der Abend mit einem "Arrivederci ‘Eilbronn" zu Ende geht, darf gejammt werden. In einer Tischrunde bei Vino Rosso kommen Band und Sänger zusammen. Das Mikro fällt aus, ein klasse Regie-Einfall denkt man schon: Ein Malheur, das gar nicht im Drehbuch stand. Ohne Strom geht es in die Welt von Adriano Celentano, und wie. Noch einmal besteigen sie in "Azzurro" den "treno dei desideri", den Zug der Wünsche. Das Publikum ist wunschlos glücklich.



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