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Der jährliche Alptraum
Von unserem Redakteur Uwe Grosser
Heilbronn - Treffen sich drei Ehepaare. Mit solchen Formulierungen beginnen normalerweise Witze, und zum Wesen der Komödie gehört es, witzig zu sein. Nun hat der Humor eine ziemlich große Spannweite an Ausdrucksformen: von läppisch bis geistreich. Irgendwo dazwischen bewegt sich Jens Schmidls Inszenierung von Alan Ayckbourns "Frohe Feste", die am Freitag im Komödienhaus des Stadttheaters Premiere hatte und vom Publikum ausdauernd beklatscht wurde.
Manchmal kippt es in Richtung Blödelei, und dann blitzen doch wieder Momente Loriot’scher Brillanz auf: Dass Schmidl keine Linie findet in diesem Hin und Her um die drei Ehepaare, die sich an drei Weihnachten gegenseitig besuchen, liegt auch am Stück selbst, das man nicht unbedingt zu den großen Würfen von Ayckbourn zählen muss.
Von den Hopcrofts zu den Jacksons zu den Brewster-Wrights: Jedes Jahr eine andere Küche, in der sich Abgründe auftun könnten, wäre Ayckbourns Text nicht so schrecklich brav. Schließlich wird in der Küche, hinter den Kulissen der eigentlichen Party, eher mal Tacheles geredet, doch Ayckbourn fährt zunächst nur Klischees auf, zu denen Schmidl nur Slapstick einfällt. Im zweiten Akt keimt Hoffnung: Bei den Jacksons, diesem chaotischen Saustall von einem Architektenhaushalt, ist sie plötzlich da, diese funkelnde Boshaftigkeit: schneidende Dialoge, gepaart mit einer schnellen, auf den Punkt getimten Inszenierung, die sich löst von allen Blödeleien und ihren Figuren scharfe Konturen verpasst.
Absturz Jetzt wird an der Schraube gedreht, jetzt nimmt die Inszenierung Fahrt auf − denkste. Im dritten Akt bei den Brewster-Wrights stürzen Ayckbourn und Schmidl endgültig ab. Ein läppisches Spielchen im Stile von der Reise nach Jerusalem beendet das Stück abrupt. Und wo war sie nun, die versprochene Entlarvung eines Gesellschaftssystems, das dem Sozialdarwinismus frönt? Lebensmittelhändler Hopcroft ist der Aufsteiger, Architekt Jackson und Banker Brewster-Wright sind die Absteiger. Und nun?
Dass das Gesellschaftliche ins Private wirkt, ist eine Binsenweisheit, die in "Frohe Feste" nicht weiter vertieft wird. Es bleibt den Schauspielern überlassen, aus den Figuren mehr als nur Pappkameraden zu machen. Doch auch die bleiben ungewohnt zurückhaltend. Selbst der sonst stets überzeugende Nils Brück ist als Geoffrey Jackson blass, und bis auf ein paar elegante Turneinlagen geht auch Sylvia Bretschneider als seine Gattin kaum aus sich heraus.
Nur Katharina Voß als Bankiersgattin Marion Brewster-Wright läuft als frustrierte Schnapsdrossel zu ganz großer Form auf, während Gabriel Kemmether als Sidney Hopcroft, Judith Raab als seine Frau Jane und Vilmar Bieri als Banker sich ganz dem Slapstick ergeben.
"Frohe Feste" ist wieder am 18., 19., 22., 23. und 25. November, 7., 8., 16., 17., 18., 22., 26. und 29. Dezember zu sehen.
Karten: 07131 563001.
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