Der Handschuh macht den Unterschied

Heilbronn - Da nützte alles Leugnen nichts. Auf frischer Tat wurde er ertappt, der bedauernswerte Student. Keck hatte er seinen Finger durch die Leinwand eines alten Meisters gestoßen, den er kopieren sollte. Kopieren. Als ob man nichts Eigenes schöpfen könnte. Doch noch war der Student in der Hand seines Professors, sein Drang nach künstlerischer Autonomie war zum Scheitern verurteilt.

Entzückung

Und wie dieses Genrebild von Josef Danhauser (1805-1845) zu seiner Zeit beliebt war. Immer wieder musste der Österreicher dieses drollige Motiv malen: Mit einem ewig gestrigen Professor mit Zipfelmütze, gekleidet in den Farben eines Papageis. Einem Papagei, der, wie man weiß, nichts Eigenes schöpft, sondern nur nachplappert. Der Kunstmarkt war entzückt.

Doch nicht nur um die Eigenheiten des Marktes um 1800 ging es im vergnüglichen Vortrag des Kunstwissenschaftlers und Medientheorektikers Wolfgang Ullrich in der Kunsthalle Vogelmann: Ullrich, seit 2006 Professor an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, beschäftigt sich, Anlass ist die Füger-Ausstellung, auch mit der Lebenssituation des Künstlers um 1800.

An einem Selbstbildnis Heinrich Friedrich Fügers von 1788, der Künstler ist vornehm gekleidet, der Blick fokussiert sich wie von selbst auf die edlen Handschuhe, hängt er seinen Vortrag auf. Handschuh oder kein Handschuh: Das war die Frage in den Tagen, da sich die Französische Revolution ankündigte.

Nachwuchs

Gleich zwei konkurrierende Institutionen kümmerten sich um die Künstler-Ausbildung. Die Zünfte, die den Schwerpunkt auf die handwerkliche Ausbildung legten. Und die Akademien, die sich mit allem Möglichen beschäftigten: Der intellektuellen Ausbildung des angehenden Künstlers, Anatomie und Geometrie etwa standen auf dem Lehrplan. Füger nun, der sich mit dem Statussymbol Handschuh porträtierte, war seit 1787 Vize-Direktor der Wiener Akademie. Die Zeit rollte über die alten Akademien hinweg: Studentische Freicorps gründeten sich und Kunstvereine, die die Bilder veräußerten. Ein Blick auf den jüngeren Caspar David Friedrich zeigt einen autonomen Künstler und selbstbewussten Bürger. mia



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