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Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft
Von unserer Mitarbeiterin Michaela Adick
Heilbronn - Der Beschwerdeführer ist ein Dreikäsehoch. "Der hat ja gar keine Stiefel an." Lautstark ist er und sehr unzufrieden. So geht das nicht, ein gestiefelter Kater ohne Stiefel. Und damit eines klar ist: Rot haben sie zu sein, sonst könnte es sich ja um irgendeinen Kater handeln. Aber nicht um den Kater. Und da kennt der Dreikäsehoch aus dem Publikum kein Pardon.
Einen Moment müssen sich die vielen Hundert Besucher der umjubelten Premiere des Weihnachtsmärchens noch gedulden. Dann ist die Welt im Großen Haus des Stadttheaters wieder in Ordnung. "Der gestiefelte Kater" von Thomas Freyer, der seinen "Kater" dem Volksmärchen der Gebrüder Grimm nachempfunden hat, geht seinen Lauf. Aus dem räudigen Kater wird erst ein sprechender, hilfsbereiter Freund seines ausgestoßenen Herrchens. Dann ein französisch parlierender Berater in schnieken roten Stiefeln, der es faustdick hinter den Ohren hat und seinem Freund zu Liebe und Ansehen verhilft.
Merke: Stiefel machen Leute. Und das Leben vielleicht ein ganz kleines bisschen lebenswerter. Nicht dass es so ein Stiefelwesen einfach hätte, damit das klar ist. Ein ums andere Mal muss der Kater, Peter Volksdorf spielt ihn mit bewundernswerter Eleganz und Geschmeidigkeit, seufzen und tief miauen. "Ein Kater bin ich. Und auch nicht", seufzt er also, als wüsste er, auf welche Herkulesaufgabe er sich eingelassen hat. Und: "Ein Kater ist kein Mensch. Er hält sein Wort."
Poetisch Die Verzweiflung ist groß, derweil sich in der Regie von Alejandro Quintana auf zwei Erzählebenen ein kunterbuntes, poetisches Spektakel entwickelt, an dem kleine wie große Besucher gleichermaßen Gefallen finden. Wer würde sich nicht gerne in die zauberhafte Welt eines quietschbunten Königshauses entführen lassen: Mit einer aus purer Langeweile überdrehten Prinzessin, Julia Apfelthaler spielt sie herrlich exaltiert. Mit einem Despoten von König, der, von Rolf-Rudolf Lütgens mit Sinn für Zwischentöne gespielt, doch nur ein armer Hund ist, der viel plappert und entschieden zu wenig denkt. Und einem Diener wie Gustav (Ivan Gallardo), der kurz vorm Durchdrehen ist. Und doch eigentlich nur träumen möchte. Wie ging das noch gleich, träumen? Der Workaholic hat es verlernt.
Nur der Kater behält in diesem Chaos die Übersicht. Was man von seinem Herrchen (Philipp Lind) nicht behaupten kann. Doch Schattentheater, Tanz, Magie und Zauberei sind nur die eine Seite der Medaille. Thomas Freyer, 2006 beim Berliner Theatertreffen mit einem Förderpreis ausgezeichnet, ist mit allen Wassern gewaschen und mogelt in seinen "Gestiefelten Kater" allerlei Anspielungen hinein. Nicht nur über Autokraten wie Silvio Berlusconi und spezielle Männerfreundschaften wie man sie aus "Casablanca" kennt. Und ob sich da der Beginn einer wunderbaren Freundschaft andeutet: Ein herrliches, doppelbödiges Vergnügen.
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