Aus einer anderen Zeit

Heilbronn - Straff in der Form und dicht im Klang, doch von weichen Schattierungen umspielt, präsentiert sich Edward Elgars "Introduction and Allegro" zum Auftakt des 6. Konzerts des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn in der Harmonie.

Von Monika Köhler

Aus einer anderen Zeit
Viel Applaus erhalten das Württembergische Kammerorchester Heilbronn und das Schweizer Casal Quartett unter der international renommierten Gastdirigentin Sarah Ioannides in der Harmonie.Foto: Monika Köhler

Heilbronn - Straff in der Form und dicht im Klang, doch von weichen Schattierungen umspielt, präsentiert sich Edward Elgars "Introduction and Allegro" zum Auftakt des 6. Konzerts des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn in der Harmonie. Englische Komponisten und ihre Ideen zum Streichorchester stehen im Zentrum des Abends, der noch mit einer anderen Besonderheit aufwartet.

Nicht Chefdirigent Ruben Gazarian, sondern die in England aufgewachsene Sarah Ioannides steht am Pult. Mit Elan führt die international renommierte und als eine der führenden jungen Dirigenten der USA geltende Orchesterleiterin das allein mit Streichern besetzte WKO und seine Gäste, das Casal Quartett aus Zürich, mit Rachel Rosina Späth und Daria Zappa (Violinen), Markus Fleck (Viola) sowie Andreas Fleck (Cello), durch die Partitur.

Eine Vielzahl an Kontrasten hält dieser Elgar bereit: machtvolle Bogenstriche und zartes Flimmern, stürzende Linien und kantables Spiel sowie ein wogendes An- und Abschwellen, bei dem Quartett und Tutti vollendet verschmelzen. Mit atmender Durchlässigkeit schließen die Schweizer Schumanns A-Dur Streichquartett Nr. 3 an: Ruhevoll, von unterirdischem Drängen beherrscht, entfaltet das Quartett einen facettenreichen Ausdruck, der durch zupackende Passagen ebenso besticht wie durch lebhaftes Weiterreichen des Themas.

Dem flehend angelegten Adagio folgen im Finale filigrane Violingebilde, lustvoll ausgespielte Rhythmen und federnd leicht inszenierte Emotionen, für die es begeisterten Applaus gibt. Auch das WKO zeigt sich in Bestform. Souverän führt es die Klangfolgen in der "Music for Strings" von Arthur Bliss aus. Ein elastischer Spannungsbogen legt sich über die Divergenz von kantigen und wogenden Passagen, aus denen Soli hervortreten.

Präzise Schlagtechnik

Warm flutet der Dialog zwischen Geige und Cello. Dass sich Ioannides und das WKO hervorragend verstehen, ist zu spüren: Mit präziser Schlagtechnik überlässt die gebürtige Australierin, die in wenigen Wochen doppelten Mutterfreuden entgegensieht und sich hier eine enorme Leistung abverlangt, nichts dem Zufall. Selbst Violinistin, überträgt sich ihr feines Gespür auf das Orchester, das atemberaubende Momente zaubert.

Mit großer Formenvielfalt zeigt sich Gustav Holsts "Saint Paul"s Suite", bei der zu lodernden Feuern volkstümliche Tanzrhythmen Einzug halten. Weich lösen sich Klangbilder im stets präsenten Ostinato des zweiten Satzes auf. Und im Intermezzo berührt Konzertmeister Zohar Lerner mit lieblichem Violingesang aus einer anderen Zeit.