Auf der anderen Seite der Welt

Von unserer Mitarbeiterin Michaela Adick

Heilbronn - Es war einmal in Bashkortostan. So fangen Märchen an und seltsame Erfolgsgeschichten. Etwa für Oleg Kireyev. Nicht einmal im Traum dachte der klassisch ausgebildete Saxofonist, dass es je etwas mit der von ihm ebenso heiß herbeigesehnten wie unerreichbar erscheinenden Jazzkarriere werden würde. In Ufa, der Hauptstadt der Republik Bashkortostan, gute 2000 Kilometer südöstlich von Moskau gelegen, wo sich nicht nur Hase und Igel gute Nacht sagen, sondern Russland langsam aber sicher asiatisch wird, war eine Jazzkarriere einfach nicht vorgesehen. Die politische Wende kam für den Saxofonisten gerade rechtzeitig. Plötzlich flossen Stipendien, Auslandsaufenthalte wurden möglich.

Systemwechsel In einem eigenwilligen ost-westlichen Gipfeltreffen im Jazzclub Cave 61 präsentierten sie sich jetzt: Fünf Musiker aus West und Ost, die in ihrem jungen Leben schon so einige Systemwechsel überlebt haben. Timelife haben sie ihr Projekt konsequenterweise genannt, mit Alltagsgeschichten und manch einer Verbeugung vor der Jazzgeschichte. Louis Armstrong schaut etwa vorbei und die Musiker aus der Ära von Art Blakeys Jazzmessenger. Dabei sind die Kompositionen, die der Feder ihres Trompeters Dennis Sekretarev entstammen, sehr heutig.

In Moskau geboren und in Frankfurt aufgewachsen, hat Sekretarev, der am Schluss seinen Vater Sergey, einen gestandenen Saxofonisten zum Jammen auf die Bühne bittet, gerade erst in Amsterdam sein Studium abgeschlossen. In Philadelphia hat er sich seinen letzten Schliff geholt, eine Tatsache, die man ihm sofort abnimmt: Trifft in seinen Kompositionen doch europäisches Jazz-Selbstverständnis auf amerikanische Formensprache.

Heimat Doch auch Bashkortastan, die Heimat von Oleg Kireyev und Gitarrist Artur Akhmetov, bleibt immer spürbar, die Töne aus dem fremden Land jenseits des Urals. "Sweet Woman" ist so eine Nummer, die das Publikum mit einer hocherotischen Kommunikation und Interaktion zwischen Trompete und Saxofon fasziniert: Was für ein neckisches, poussierend-provozierendes Pärchen sie doch abgeben.



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