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„Meine Musik ist heute mehr von Hand gemacht“
Mit dem Duo Modern Talking wurde Thomas Anders zusammen mit Dieter Bohlen weltweit erfolgreich. 22 Jahre danach hat sich der Musiker, aber auch sein Stil geändert. Er bevorzugt mittlerweile auch die kleineren Auftritte mit intimerer Atmosphäre wie heute Abend im Alten Theater in Heilbronn-Sontheim. Marcel Auermann hat sich mit dem Sänger unterhalten.
Was unterscheidet den Thomas Anders von dem von vor 20 Jahren?
Thomas Anders: (lacht) . . . also 20 Jahre mindestens. Meine Musik ist heute mehr von Hand gemacht. Sie ist von der Produktion her nicht mehr so auf Effekte ausgelegt, sondern es wird sehr viel Wert auf Stimme und Stimmung gelegt.
Das heißt aber auch, dass die Musik von früher alles andere als handgemacht war.
Anders: Das stimmt so nicht. Ich habe nicht gesagt, dass sie schlecht war. In den Achtzigern ging vieles eben über Synthesizer. Es war das Jahrzehnt, als sie erfunden wurden. Das war einfach eine Pop-Geschichte. Und schaut man sich heute aber die Charts an, merkt man, dass die Menschen wieder mehr echte Instrumente und kein komplettes Soundgewusel in den Stücken hören wollen.
Würde sich also Modern-Talking-Musik heute nicht mehr so gut verkaufen?
Anders: Ich glaube nicht, dass man momentan mit dem gleichen musikalischen Konzept noch einen derartigen Erfolg erreichen könnte.
Es gibt zwei, die wieder damit erfolgreich werden wollen - Dieter Bohlen und Mark Medlock wollen Modern Talking wiederbeleben.
Anders: (lacht) . . . gut, die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber auch die Musik unterscheidet sich von der der achtziger Jahre. Jeder versucht, andere Nuancen reinzubringen. Das ist Zeitgeist. Daran werden wir nie etwas ändern können. Es ist für mich zumindest einfacher, eine handgemachtere Musik zu präsentieren, die auch die Zuschauer heute Abend erleben können.
Fühlen Sie sich denn übergangen oder gar beleidigt, weil zwei auf der Erfolgswelle schwimmen wollen, an der Sie einst einmal beteiligt waren.
Anders: Überhaupt nicht. Wir sind ein freies Land und jeder kann tun und machen, was er möchte. Und wenn Dieter Bohlen glaubt, es so tun zu müssen, dann ist dies sein gutes Recht. Wenn irgendwelche Musiker zusammenfinden und ein Duo gründen, kommt auch keiner drauf, es mit Modern Talking zu vergleichen. Diese ganze Idee wird viel höher gehandelt als sie ist. Ich sehe dem Ganzen mit viel Spannung entgegen. Zum einen bin ich Teil des Originals und zum anderen liegen dazwischen 120 Millionen verkaufte Platten. Ich kann mich also ganz entspannt zurücklehnen.
Sind Sie Perfektionist?
Anders: Ich versuche, aus meiner Situation immer das Beste herauszuholen. Ich muss mich aber den Gegebenheiten beugen. Perfektionismus kann ja auch ganz leicht dahin tendieren, dass man sich verkrampft und dann die Sache schlecht macht. Das Wichtigste bei einem Auftritt ist immer, dass das Publikum begeistert ist. Das kann auch durch einen Fehler auf der Bühne passieren.
Ist ein Aspekt des Thomas Anders 2007, dass er nicht mehr in allen Medien und Hallen vertreten sein muss?
Anders: Mir gefallen solche intimen Auftritte unheimlich gut. Weil das Publikum auch viel eher merkt, wie man arbeitet und ich viel eher merke, wie das Publikum reagiert. Das fokussiert sehr stark auf mich als Künstler und bringt eine ganz besondere Spannung. Das erdet. Ein kleinerer Rahmen verzeiht auch weniger. Aber ich mache nicht nur solche Auftritte. Ich habe auch viele Termine im Ausland. Nächste Woche bin ich beispielsweise in Monaco. Es wechselt sich permanent ab.
Also nie wieder Grand Prix?
Anders: Ich kann es mir nicht vorstellen. Man darf es auch nicht inflationär betreiben. Diesen Ehrgeiz habe ich nicht. Ich bin keiner, der neben Ralph Siegel und Nicole in die Geschichte des Grand Prix eingehen muss.
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