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„Mindestens 70 Prozent sind Schrott“
Tragen Sie noch immer Ihre bunten Hawaiihemden, Herr von der Lippe?
Jürgen von der Lippe: Trage ich auch, aber auch das Ornat eines Priesters oder Rockerklamotten. Je nachdem, in welche Rolle ich schlüpfe: Ich verkörpere ganz unterschiedliche Figuren.
Was erwartet uns nach drei Jahrzehnten Bühnenerfahrung?
Von der Lippe: Das Beste aus 30 Jahren natürlich. Ich dachte, es ist an der Zeit, dass ich mir ein Best-Of gönne.
Viele alte Nummern also?
Von der Lippe: Natürlich soll das Programm heutig wirken, tut es auch. Tempo und Rhythmus haben sich verändert, ich habe mich musikalisch verstärkt. Da ist alles dabei von Bach über Jazz und Pop. Mein musikalisches Team sind Mario Hené auf der Midi-Gitarre, der erstmals mit von der Partie ist. Und Iris Wehner an ihrer Wunderorgel. Wir singen also dreistimmig, das muss man dann durchhalten.
Zumal Sie unverdrossen Freude haben an Ihren Scherzen.
Von der Lippe: Unbedingt. Die Höhepunkte aus elf Bühnenshows zusammengenommen, entwickeln einen eigenen Rhythmus und Reiz.
Woraus ziehen Sie ihre Stoffe? In diesen turbulenten Zeiten?
Von der Lippe: Aus dem wahren Leben. Aber wie gesagt, eine Werkschau kennt ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten. Das heißt, auch wenn ich kleine, aktuelle Schlenker einbaue, bin ich kein politischer Kabarettist.
Warum eigentlich nicht?
Von der Lippe: Ich bin Comedian. Und sage Ihnen: Ein politischer Kabarettist ist ein Comedian mit eingeschränktem Blickfeld.
Was halten Sie denn von der vernichtenden Kritik kürzlich von Marcel Reich-Ranicki am Deutschen Fernsehen - bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises?
Von der Lippe: Ich kenne seine Äußerungen nur aus der Presse, weil ich auf Tournee abends nicht fernsehen kann. Wenn Reich-Ranicki sagt, er schaue nichts an außer Arte, ist das vermessen. Machen wir uns nichts vor. Für alles Kreative gilt, auch für die Literatur: Mindestens 70 Prozent sind Schrott. Das trifft doch nicht nur das Fernsehen. Eine Pauschalverurteilung ist Quatsch, das weiß er. Wahrscheinlich hat er sich an dem Abend gelangweilt.
Harmonie Heilbronn, Mittwoch, 5. November, 20 Uhr. Karten: Heilbronn Marketing und bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.
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