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Zu den Wurzeln des Blues
Von Leonore Welzin
Brackenheim - Einzug der Blues-Gladiatoren in die Brackenheimer Kapelle im Schloss: Vorneweg der virile Russell Jackson mit Rastalocken - langjähriger Bassist von B.B. King -, ihm folgen Eddie Taylor Junior, ein Schwergewicht, das mit flinken Fingern seinem Vater in nichts nachsteht, und Willie Hayes, der Schlagzeuger, der für Muddy Waters, Willie Dixon, Koko Taylor, Mighty Joe Young gespielt hat.
Durch die dampfende Zuschauermenge - mehr als 200 Menschen sind zum „Chicago Blues Festival“ nach Brackenheim gekommen - schiebt sich hinter den Rhythmusgebern der einzigartige Tail Dragger.
Melancholische Gitarrentöne Im edlen, silbergrauen Zwirn, mit Hut und Schlangenlederstiefeln repräsentiert der schlaksige 67-Jährige die Eleganz des Chicago-Blues. Ihm folgt Martin Lang, ein gefragter Mundharmonikaspieler und, nicht zuletzt, Lurrie Bell, das bullige Urgestein. Er ist der Sohn der in diesem Jahr verstorbenen Bluesharp-Legende Carey Bell. Nach gut zweieinhalb Stunden bei ihrem einzigen Konzert in Deutschland legen die sechs Musiker eine fetzige Bluesrock-Nummer als Zugabe hin.
Härter der Beat, schwerer die Gangart und wilder die Staccato-Sequenzen - aber auch eleganter als der vom Delta ist der Blues aus der „Windy City“ Chicago. „Brought Up The Hard Way“ besingt Lurrie Bell, der überragende Interpret des Abends, den Überlebenskampf zwischen Wolkenkratzerschluchten.
Seine Gitarre schluchzt auf, er wringt sich die Melancholie aus dem Leib, das Instrument klemmt unterm Arm, als wolle er es mit Achselschweiß füttern. Bitter das Leben, tröstlich die Aussichten: „Everything Gonna Be Allright“.
Alterslos Tail Dragger, der seinen Künstlernamen von Howlin’ Wolf bekam, ist eine charismatische Erscheinung, ein geborener Charmeur, Texter und Komponist. Er powert weniger (nach dem ersten Herzinfarkt), hält lieber „My Woman Is Gone“ nach neuer Liebe Ausschau und kokettiert mit seinem Kahlkopf „My Head Is Bald“, bis es wieder heißt: „You Gotta Go“. Klassischer, mätzchenfreier Chicago Blues mit vielen Bezügen zu den Anfängen seiner inzwischen ein halbes Jahrhundert andauernden Karriere. Gefallen hat das Programm allen Altersklassen. Der 13-jährige David Gadson aus Chiemsee fand es so „gut und geil“, dass er sich gleich seinen Lieblingstitel „Champain, Champain“ von Russell Jackson auf CD mitgenommen hat.
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