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Druckfrisch und druckreif
Von Leonore Welzin
Heilbronn - Nichts kann ihn aus der Ruhe bringen, weder die jährlichen 80 000 Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt, noch eine Spitze vom Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki: „Scheck, Sie reden Dreck! Aber was Sie über die Lessing gesagt haben, war nicht schlecht!“
Denis Scheck ähnelt - dank seiner runden Statur samt großen Ohren - der Verkörperung des japanischen Gottes Ebisu, zuständig für Glück und Fischer. Was dem telegenen Literaturkritiker an Büchern „druckfrisch“ ins Netz geht, präsentiert er einmal monatlich in seiner zum Kult avancierten Sendung. Jetzt hat der schwäbische Bücherfischer aus dem Medienformat eine Live-Präsentation gemacht, mit der er auf Einladung der Stadtbibliothek im Komödienhaus gastiert.
Rund 150 Liebhaber des unkonventionellen Literaturprogramms sind gekommen. Darunter Kulturbürgermeister Harry Mergel, der den Gast im Bühnenbild von „Gott des Gemetzels“ willkommen heißt und schmunzelnd hinweist auf dessen literarische Unsterblichkeit in der Chronik Entenhausens. Verewigt hat Scheck die Duck-Übersetzerin Erika Fuchs als Inhaber einer Spielwarenhandlung seines Namens, die Donald mit dem Satz betritt: „Mal sehen, was der gute Scheck auf Lager hat!“
Fangfrisch von der Frankfurter Buchmesse hat der gute Scheck 31 Titel auf dem Tisch, von denen er in 90 Minuten, ohne Hast und druckreif formuliert, 21 vorstellt. Etwas populistisch der Einstieg mit „Harry Potter“, um mit „Tintentod“ rasch und eloquent zu einer seiner Lieblingsautorinnen zu wechseln. Cornelia Funke sei die deutsche Joanne K. Rowling, eine wahre Zauberzunge.
Egal ob kodderschnäutzige Dialoge in „Böse Schafe“ von Katja Lange-Müller oder Burkhard Spinnens Krimi „Mehrkampf“, der, laut Schenk, mehrere Bände soziologischer Literatur erspare, ob ein Sachbuch wie „Der Bien“ von Jürgen Tautz oder Arno Schmidts „Briefwechsel mit Kollegen“ oder seine Anwärter auf den Literaturnobelpreis (John Updike, Philip Roth und an erster Stelle Thomas Pynchon): Schenk macht Appetit.
Mit dem Kochbuch „Typisch Deutsch“, in dem sich eine dekonstruierte Schwarzwälder Kirschtorte findet, empfiehlt sich der glücksgöttliche Genussleser Denis Scheck.
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