Ausstellung im Deutschhof: Alamannen und Franken im Südwesten

Heilbronn  Am Freitagabend wurde im Museum im Deutschhof eine neue Ausstellung eröffnet. Ihr Titel: "Sie kamen ... und sie blieben. Alamannen und Franken im Südwesten".

Von Andreas Sommer

Als die Elbgermanen gen Süden zogen

Wenn Menschen ihre Heimat verlassen und anderswohin ziehen, kann das viele Ursachen haben: Krieg, Religion, Armut, Landmangel, Heirat. Mit den Alamannen und Franken, die im 3. bis 7. Jahrhundert unsere heutige Region bevölkerten, beschäftigt sich die Familienausstellung "Sie kamen ... und sie blieben. Alamannen und Franken im Südwesten" im Museum im Deutschhof. 

Archäologische Funde in Gräbern lassen Rückschlüsse auf die Herkunft der Toten und ihre Verbindungen in alle Himmelsrichtungen zu. Anhand von Knochen, Zähnen und Grabbeigaben wie Schmuck oder Waffen lassen sich 1500 Jahre alte Lebensgeschichten und Verwandtschaftsbeziehungen recht genau rekonstruieren.

Migration gibt es schon immer

"Wir liefern mit der Ausstellung einen Beitrag zur Versachlichung des brisanten Themas Zuwanderung", sagen Museumsdirektor Marc Gundel und Kuratorin Christina Jacob. "Wir belegen historisch, dass es das Phänomen Migration schon immer gab und schlagen den Bogen von der Völkerwanderungszeit bis in die Gegenwart."

Die Gruppe Sepia hat ein helles, kinder- und familienfreundliches Design für die Ausstellung mit viel Holz geschaffen. Die Rundgang kann unter einem hölzernen Stammbaum beginnen, an dessen Verästelungen Migrationsgeschichten von Menschen aus der Region hängen. Und er endet in der Erzählwerkstatt mit Hörstation, in der Christel Banghard Jöst und Lilo Klug Einwanderungsgeschichten gesammelt haben.

Ausstellungsbesucher können ihre eigene Geschichte auf ein bereitliegendes Papier schreiben. Denn über die Motivation, warum Menschen ihren alten Lebensraum verlassen und ihr Glück in der Fremde suchen, erzählen Knochen und Grabfunde nichts.

Ausgrabungen aus Krautheim-Klepsau sind zu sehen

Als die Elbgermanen gen Süden zogen

Nachbildung des Helms von Gültlingen aus dem 6. Jahrhundert.

Ende des 2. Jahrhunderts eroberten die Alamannen unsere Regionen. Sie kamen vermutlich aus klimatischen Gründen aus dem elbgermanischen Raum. Ende des 5. Jahrhunderts stoßen die zahlenmäßg größeren und besser organisierten Franken dazu und vertreiben die Alamannen Richtung Genfer See und Norditalien.

Anhand von drei Gräberfeldern in Krautheim-Klepsau, Horb-Altheim und Niederstotzingen beleuchtet die Ausstellung das Thema. Nicht nur Grabbeigaben und Waffen, sondern auch Knochen und Zahnschmelz lassen Rückschlüsse auf Verwandtschaftsbeziehungen und frühere Wohnorte zu. Christina Jacob hat dazu fiktive Erzählungen der Migranten in Ich-Form geschrieben, die von frühen Handelsbeziehungen und Migrationsbewegungen künden.

Wertvolle Original-Fibeln (Gewandspangen), Glasperlen, Schildbuckel oder Waffen aus eigenem Bestand, aus Privatbesitz oder von Leihgebern (Landesmuseen Konstanz, Karlsruhe und Stuttgart) sind Überbleibsel aus reich ausgestattenen Frauen- und eher ärmlichen Männergräbern. Die Schau zeigt die vielfältigen Methoden zur Rekonstruktion der Bevölkerungsmerkmale aus den drei Gräberfeldern auf und überrascht am Ende mit einem Film zur Gesichtsrekonstruktion der damaligen Menschen, die etwas kleiner waren als wir.

 

Die Ausstellung ist bis zum 24. September zu sehen.

Auch stimme.de hat sich ausführlich mit dem Thema befasst, ob Heilbronn zu Schwaben oder zu Franken gehört. Das Projekt finden Sie hier