TV-Star Thomas Rühmann gastiert heute mit Band im Komödienhaus

Heilbronn  Als Arzt in "Aus aller Freundschaft" wurde Thomas Rühmann deutschlandweit bekannt. Heute ist er als Musiker in Heilbronn - mit der Geschichte von Sixto Rodriguez und den Liedern des zunächst verkannten Talentes.

Von Andreas Sommer

Die unfassbare Geschichte des Sixto Rodriguez

Thomas Rühmann (Mitte, Gesang, Gitarre), Monika Herold (Bass, Keyboards, Gesang) und Jürgen Ehle (Gitarre) performen Sixto Rodriguez.

Foto: Rudolf K. Wernicke

Thomas Rühmann weilte im Winterurlaub in Südtirol, als er das erste Mal mit der Geschichte des amerikanischen Singer/Songwriters Sixto Rodriguez, den seine Fans Sugar Man nennen, in Berührung kam. "Ich schaute den schwedischen Dokumentarfilm ,Searching für Sugar Man" spätabends auf dem Laptop und fing noch in derselben Nacht an zu recherchieren", erzählt er.

Aus dem Songmaterial von Rodriguez hat Rühmann, Deutschlands berühmtester Fernseharzt, ein Bühnenprogramm zusammengestellt, das er mit seiner Band heute um 20 Uhr im Komödienhaus präsentiert. "Ich bin immer auf der Suche nach einer guten Geschichte", sagt Thomas Rühmann. Die Geschichte von Sixto Rodriguez ist wahrlich eine gute Geschichte: "Wie ein Drama im Theater", meint Rühmann. Das hat auch der schwedische Regisseur Malik Bendjelloul (1944-2014) erkannt, der für seinen Dokumentarfilm "Searching for Sugar Man" (Suche nach Sugar Man) 2013 einen Oscar erhielt.

Keine Resonanz in den USA, umso mehr in Südafrika

Die unfassbare Geschichte des Sixto Rodriguez

Sixto Rodriguez 2013 auf dem Montreux Jazz Festival.

Foto: dpa

Eigentlich ist die Geschichte unfassbar. Sixto Rodriguez, 1942 in Detroit geboren, hatte 1970 und 1971 in den USA erfolglos zwei Alben veröffentlicht. Enttäuscht über die mangelnde Resonanz − nur die Kritiker lobten den "Dylan von Detroit" − hängte er die Musikerkarriere an den Nagel und arbeitete am Bau.

Wovon er nichts ahnte: Irgendjemand hatte seine Platte in den 70er Jahren nach Südafrika mitgenommen, wo Rodriguez" Lieder unter dem Apartheid-Regime zu Hymnen der Protestbewegung wurden und er selbst in dem weitgehend isolierten Land zum Star − von dem alle dachten, er sei tot. Rodriguez erfuhr von seiner ungeahnten Popularität erst, als er von dem südafrikanischen Fan Stephen Segerman aufgespürt worden war.

Segerman schaltete 1997 eine Internetseite, die 1998 eine von Rodriguez" Töchtern entdeckte. Noch im selben Jahr startet der Amerikaner eine späte Karriere und gab sechs erfolgreiche Konzerte in Südafrika. Später tourte er in Schweden, Namibia, Großbritannien, den Niederlande und Australien, wo er ebenfalls eine große Fangemeinde hat.

Rodriguez Lieder mit deutschen Texten

Diese Story erzählt der Schauspieler, Gitarrist und Sänger Rühmann in seinen Konzerten und präsentiert dazu die Songs von Rodriguez. Die Lieder des US-Songwriters singt er mit deutschen Texten von Wenzel, Biermann, Hein, Hacks oder Pannach: "Die sprachliche Struktur passt sehr gut zum Kompositorischen."

Rühmann hat schon immer Musik gemacht, weil er sich gern in unterschiedlichen Formen ausdrückt. "Mit Neil Young fing es bei mir an", gesteht der 62-Jährige. Klar, dass er auch einen Neil-Young-Abend in petto hat. "Rodriguez war für die Südafrikaner das, was Wolf Biermann für uns in der DDR war", erklärt er seine Faszination an diesem Thema.

Sixto Rodriguez tourt weiter. Nur in Deutschland war er noch nie.

 

Rühmann in Heilbronn

"Sugar Man − Das bittersüße Märchen des Sixto Rodriguez" heute, 20 Uhr, im Komödienhaus. Karten: 07131 563001.

Lesetipp: Stephen "Sugar" Segerman, Craig Bartholomew Strydom: "Sugar Man − Leben, Tod und Auferstehung des Sixto Rodriguez", Ullstein, 14,99 Euro.