Sebastian Puffpaff kennt kein Pardon und kein Tabu

Interview  Kabarettist Sebastian Pufpaff eröffnet heute die Spielzeit des Kulturforums im Brackenheimer Bürgerzentrum. Im Interview mit der Stimme spricht er über die Bundestagswahl und was man braucht, um Kabarettist zu werden.

Von Leonore Welzin

Er kennt kein Pardon und kein Tabu

Sebastian Pufpaff 2014 auf dem Theaterschiff Heilbronn.

Foto: Archiv/Braun

"Auf Anfang" heißt die Show, mit der Sebastian Pufpaff heute um 20 Uhr auf Einladung des Kulturforums im Bürgerzentrum Brackenheim gastiert. Wir haben den Kabarettisten ("Happy Hour") zur aktuellen politischen Lage befragt.

 

Vom Wahlergebnis enttäuscht oder bestätigt?

Sebastian Pufpaff: Ich bin eher verängstigt. Kurz nach der Wahl bestätigten alle Parteien, die abgewanderten Wähler zurückgewinnen zu wollen, in dem man sich inhaltlich anpasst. Ich befürchte eine allgemeine Verschiebung der Parteienlandschaft nach rechts. Was mich wirklich gefreut hat, war die Wahlbeteiligung, die deutlich angestiegen ist und dass das vererbte Parteibuch ausgedient zu haben scheint. Wir wählen nicht mehr wie Vater, Großvater und Co., sondern selbstbestimmt, wenn auch teilweise nicht nachvollziehbar.

 

Es gibt Familien, in denen das ganze Parteienspektrum repräsentiert ist.

Pufpaff: Auch da können wir etwas Positives feststellen. Es können jetzt zu Hause bei Familienfesten und zu Weihnachten vollkommen berechtigt mal wieder richtig die Fetzen fliegen, wenn der Rechte auf den Linken, mit der Mitte und den Grünen? Schade wäre es, wenn wir das amerikanische Modell einführen: Es wird über alles geredet, bis auf Religion, Gehalt und Politik. Ich bin für eine Streitkultur. Streit ist für mich positiv belegt, da er zu Kompromissen führt, ganz anders als das Schweigen.

 

Sie haben ein so schönes Magister-Thema: "Der moderne Politiker − Inszenierung in der Demokratie". Wer inszeniert sich gerade richtig, wer nicht?

Pufpaff: Richtig oder falsch gibt es da nicht, es liegt aber auf der Hand, dass der Star der Inszenierung in diesem Wahlkampf eindeutig Christian Lindner war, der mit der absoluten Personalisierung als Galionsfigur und der Einführung von Magenta in die blau-gelbe Welt der FDP auf einen Neuanfang setzt. Und natürlich die AfD, die mit polterndem Geschrei Lautstärke als Argument rehabilitieren möchte.

 

Ihr Magister-Thema liebäugelt mit einem Berater-Job, wurde Ihnen mal einer angeboten?

Pufpaff: Noch nicht, aber vielleicht gehe ich ja in zehn Jahren den Schröder-Weg, frei nach dem Motto: Jetzt will ich aber auch mal Geld verdienen, und dann komme ich als Lobbyist oder Vorzeigekapitalist zurück. Es könnte aber auch sein, dass ich mich dann erschießen will.

 

Abi, Zivildienst, Jurastudium, RTL-Produktmoderation: Sind das die Karrierestufen eines Kabarettisten?

Pufpaff: Ja, das ist das Muss. Ohne diese Stufen können sie nicht Kabarettist werden. Wer kennt sie nicht, die gute alte Zeit, als Dieter Hildebrandt mit Georg Schramm Teleshopping gemacht hat. Nein, es hat sich so ergeben und ich habe jede meiner Lebenslaufstationen dafür genutzt, um dahin zu kommen, wo ich jetzt bin. Teleshopping war meine Kameraschule. Ich habe mehr Live-Auftritte als Thomas Gottschalk, auch wenn"s um drei Uhr morgens war und ich meist einen Schrottmixer präsentieren durfte. Beim Jura- und Politikstudium erwarb ich mein Hintergrundwissen.

 

In Kritiken über Sie heißt es: Pufpaff kennt kein Pardon und kein Tabu. Stimmt das?

Pufpaff: Ja. Für mich gilt nur eine Regel. Jede meiner Geschichten muss einen Sinn haben. Eine Botschaft. Die reine Provokation nur des Provozierens willen finde ich dumm und oberflächlich. Meistens dient sie nur dazu, um auf den Provokateur aufmerksam zu machen.

 

Wie viel Zynismus darf ein Anarcho?

Pufpaff: Damit sind wir bei der Antwort der Frage zuvor. Es gibt kein Tabu, aber auch Zynismus, Ironie und Sarkasmus haben nur dann Sinn, wenn sie als Transportmittel für einen Inhalt dienen. Nur dastehen und Hitler zu brüllen, verändert nicht die Welt.

 

Pufpaff in Brackenheim

Der Kabarettist tritt am Freitagabend um 20 Uhr, im  Bürgerzentrum Brackenheim auf.