Riesige Wiedersehensparty mit der Kelly Family

Stuttgart  Sympathisch, nahbar, Musiker durch und durch: Kelly Family feiert mit 10 000 Fans in der ausverkauften Schleyerhalle.

Von Stefanie Sapara

Riesige Wiedersehensparty mit der Kelly Family

Seit 25. Januar ist die Kelly Family − Jimmy, Patricia, Angelo, Kathy, John, Special-Guest und Gründungsmitglied Paul sowie Joey (v. li.) − auf Europatournee.

Foto: Carsten Klick

 

Die Fans stehen ab dem ersten Song: Und es sind viele. Die Schleyerhalle ist seit Monaten ausverkauft und unter den Besuchern sind wahrlich nicht nur diejenigen, die die Kelly Family schon vor 23 Jahren in den großen Arenen feierten. Kinder singen textsicher die Songs mit, Teenies schunkeln mit ihren Eltern. Aber klar: Der Großteil der 10.000 Besucher ist gemeinsam mit den Kellys älter geworden, seit sie in den 1990er Jahren in einer ausverkauften Halle nach der anderen spielten. Es scheint, als schaffe genau das Verbundenheit. Und so ist das, was die Kellys am Samstag abliefern, vor allem eines: eine riesige, freudige Wiedersehensparty.

Der Glaube an den Zusammenhalt 

Das war so Anfang der 2000er Jahre nicht abzusehen. Nach dem Tod von Vater Dan Kelly 2002 wurde es ruhig um die Familie. Da waren Soloprojekte, Familiengründungen, Paddy ging als Mönch ins Kloster, Joey trat beim Iron Man auf Hawaii an. Doch, sagt Patricia Kelly, da sei immer der Glaube daran gewesen, eines Tages wieder gemeinsam auf der Bühne zu stehen. "Es ist wie ein wahr gewordener Traum." 2017 also erste Konzerte und TV-Auftritte, seit Ende Januar läuft die große Europa-Tournee mit über 30 Konzerten. Wenn auch in kleinerer Besetzung. Der einstige Mädchenschwarm Paddy, heute Michael Patrick, ist erfolgreich solo unterwegs, auch Maite und Barby sind bei der Reunion nicht dabei. Das mögen viele bedauern, der Stimmung aber tut es keinen Abbruch.

Als Patricia, Joey, John, Jimmy, Kathy und Angelo mit Songs wie "Why why why" und "First Time" loslegen, ist sofort klar, was die Kellys schon immer waren: Vollblutmusiker. Die Menge mitzureißen funktioniert mit altbekannten Songs wie "Alien" oder "I can"t stop the love" genauso wie mit jenen vom neuen Album "We got love". Zweieinhalb Stunden spielen die Kellys, dabei hat jeder seine Soloauftritte - und teilt ganz persönliche Erinnerungen. Geschichten von damals, als die Familie in der Pariser Metro spielte, in Spanien lebte oder mit dem doppelstöckigen Tourbus durchs Land fuhr. Videoeinblendungen verdeutlichen die tiefe Verbundenheit zu den verstorbenen Eltern.

Auf den Straßen von Europa

Doch auch zu Stuttgart gibt es etwas zu erzählen. Die Band, die in ihrer Kinder- und Jugendzeit auf den Straßen Europas gesungen hat, ist eben viel herumgekommen. Damals, als das Tourleben nicht nur aus einem Szenenwechsel zwischen Halle und Hotel bestand, wusste man eben noch, in welcher Stadt man gerade unterwegs war. Und hat Erinnerungen. So wie Patricia Kelly, eine Sympathieträgerin, die mit ihrem Geständnis "Meinen ersten Kuss bekam ich in Stuttgart" die Herzen doppelt auf ihrer Seite hat.

Es ist eben diese nahbare Art, die die Truppe so sympathisch macht. Ungekünstelt und authentisch, die Musiker feiern nicht sich selbst, sondern gemeinsam mit ihren Fans. Natürlich auch mit dem größten Kelly-Hit "An Angel". Die Halle leuchtet dabei im Lichtermeer - und 10000 Menschen singen Zeile für Zeile mit. Es scheint, als wären die Kellys nie weg gewesen.

Facebook-Auftritt

Mit Helene Fischer mögen die Musiker auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben. Wohl aber, dass die vermeintlich wenigen Fans, die sich offiziell dazu bekennen, am Ende tatsächlich in der Lage sind, ganze Arenen zu füllen. Keiner mag sie, aber Zehntausende gehen hin. Ein Phänomen, mit dem die sympathische Truppe auch gerne mal kokettiert: "Wir sind heute modern, wir sind sogar auf Facebook", frotzelt Angelo Kelly.

Die Familie zeigt mit ihrer offenen Art, mit neuen Songs wie "Brothers and Sisters", der die Dankbarkeit darüber zum Ausdruck bringt, "das alles hier noch einmal erleben zu dürfen", aber auch ihrem Dasein für die Fans am Ende der Show, dass ein gutes Konzert eben nicht nur von der Musik, sondern auch von der Menschlichkeit lebt. "Wir sind eine ganz normale Familie", sagt Jimmy Kelly und lacht. "Aber auf der Bühne, da funktionieren wir." Und auch knapp ein Viertel Jahrhundert nach dem ersten großen Erfolg kann man nach diesem Abend nur sagen: Und wie.