Marteria in Stuttgart: Aliens, Energie und nackte Haut

Stuttgart  Rapper Marteria überzeugt 10.000 Besucher in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle.

Von Ranjo Doering

Nein, langweilig wird einem auf diesem Konzert garantiert nicht: Feuerfontänen, eine Luftschlangenkanone, zuckendes Stroboskoplicht, Nebelschwaden, im Bühnenhintergrund flackern Weltraum- und Alien-Bilder über die riesige Leinwand. Rapper Marteria hat auf seiner aktuellen „Roswell“-Tour allerhand technischen Schnickschnack im Gepäck. Am Mittwochabend macht der Musiker Station in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer Halle und überzeugt bei seinem zweistündigen Auftritt 10.000 Besucher.

Der 35-Jährige hat die Menge von Anfang an im Griff. Jede Handbewegung, jede Rapzeile sitzt – mit Dauergrinsen flitzt der Rostocker mit der markant tiefen Stimme über die Bühne. Immer wieder animiert er das Publikum zu tanzen, zu singen, ja, „auszurasten“. Er tritt auf mit Liveband, DJ und drei Backgroundsängerinnen – sie alle geben den Rap- und Popsongs eine besondere Note.

Gute Erinnerungen an Schwaben-Metropole

An Stuttgart hat Marteria nur gute Erinnerungen. „Ich habe in Stuttgart mein erstes Konzert mit über 1000 Besuchern gespielt, das war damals im Club Zapata. Da begann der ganze Wahnsinn“, blickt der Rapper zurück und schaut mit leuchtenden Augen ins weite Rund der Schleyerhalle. 

Der 35-Jährige war einst Fußball-Jugendnationalspieler, arbeitete danach in den USA als Model und hat in den letzten Jahren einen steilen Aufstieg in der deutschen Musikszene hinter sich. Marterias Texte sind doppelbödig – ein ironischer Kommentar zum gegenwärtigen gesellschaftlichen Klima.  Bei „Bengalische Tiger“ schwenkt er ein „Bengalisches Feuer“ auf der Bühne. Dazu gibt’s die großen Hits: Beim „Endboss“ flimmern die Computerspielfiguren Super Mario und Donkey Kong über die Videowand, bei „Lila Wolken“ ist die Bühne in ein sanftes Licht und Nebel gehüllt.

Verwandlung in Marsimoto

Nach einer Stunde schlüpft Marteria, der mit bürgerlichem Namen Marten Laciny heißt, in die Rolle seines Pseudonyms Marsimoto - einer ganz in grün gekleideten Fantasiegestalt, deren Stimme, als ob sie Helium inhaliert hätte,  bis zum Anschlag hochgepitcht ist. Die Idee, Marsimoto als Alter Ego zu erschaffen, entstand aus einer Spielerei mit Effekten eines Aufnahmewerkzeugs. Wegen der positiven Resonanz entschloss er sich, als Marsimoto auch Alben zu veröffentlichen.

Der bislang größte Hit, „Kids (Zwei Finger an den Kopf)“, sorgt dann für Ausnahmestimmung in der Halle. Tausende Arme recken sich in die Luft, Stuttgart zeigt sich textsicher. Bei der Zugabe „Welt der Wunder“ verwandelt sich, dank Smartphone-Taschenlampen,  die Schleyerhalle in ein romantisches Lichtermeer.

T-Shirts

Zum Abschluss hat der Rapper dann noch eine Bitte: „Werft eure T-Shirts weg“, feuert er das Publikum an, um sich gleichzeitig auch seines Hemds zu entledigen. Die feiernde Meute gehorcht aufs Wort. „Ihr wisst aber schon wie kalt es draußen ist“, schiebt er mit einem schelmischen Grinsen hinterher. Die nackten Tatsachen sind ein passender Abschluss für ein nie langweiliges Konzert.