Frankreich trauert um France Gall

Paris  Die Chanson-Ikone ist am Sonntag im Alter von 70 Jahren an Krebs gestorben. Zu den größten Hits des Schlagerstars gehörten die Lieder "Résiste" und "Ella, elle l'a".

Von Christian Böhmer und Sabine Glaubitz, dpa

Ironisch, erotisch, leicht und direkt

France Gall in den 70er Jahren in der Sendung "Musik aus Studio B".

Foto: dpa

 

Sie begann ihre Karriere in den unbeschwerten 1960er Jahren und stieg zum Schlagerstar auf. Auch in Deutschland war France Gall bekannt und blieben ihre leichten, ironisch-erotischen Lieder bis heute zeitlos beliebt. Nun trauert Frankreich nach Johnny Hallyday wieder um eine Musik-Ikone. Gestern starb Gall im Alter von 70 Jahren an einer Krebserkrankung.

Bekannte Hits

Generationen von Franzosen kennen ihre Hits wie "Poupée de cire, poupée de son" oder "Résiste". Dabei war das Leben der blonden Sängerin von Glück und von schweren Schicksalsschlägen geprägt.

Erst vor einem Monat hatte Rockidol Johnny Hallyday 74-jährig den Kampf gegen den Krebs verloren − Hunderttausende waren anlässlich der Trauerfeier in Paris auf der Straße gewesen. Gall hinterlasse "Lieder, die alle Franzosen kennen", schrieb Staatspräsident Emmanuel Macron ehrfurchtsvoll. Kulturministerin Françoise Nyssen nannte sie "eine der begabtesten Sängerinnen ihrer Generation".

Für Rechtspopulistin Marine Le Pen verbinden Galls Chansons "träumerische Sorglosigkeit und Feinfühligkeit". Und Ex-Premierminister Manuel Valls von der politischen Linken ergänzt: "Nach Johnny geht eine andere Stimme, die uns seit immer begleitet."

Frühe Unterstützung

Wie Rockmusiker Hallyday startete Gall ihre Karriere in jungen Jahren. Schon mit 15 Jahren begann sie zu singen. Ihr Vater, Robert Gall, schrieb Liedtexte für den Chansonnier Charles Aznavour und unterstützte früh seine Tochter. Zu Beginn textete er auch für sie. Dann lernte sie Serge Gainsbourg kennen, das enfant terrible der Chanson-Szene, der in ihr das Bild der verführerischen Lolita sah.

Gainsbourg, der in Frankreich immer noch Kultstatus besitzt, schrieb für sie Songs voller erotischer Anspielungen, darunter eben auch jenes "Poupée de cire, poupée de son", mit dem sie 1965 für Luxemburg den Grand Prix Eurovision de la Chanson gewann, heute Eurovision Song Contest.

In Deutschland wurde der Schlager unter dem Titel "Das war eine schöne Party" bekannt. Zwischen 1966 und 1972 sang France Gall auch auf Deutsch. "Ich liebe dich, so wie du bist", "Kilimandscharo", "Zwei Apfelsinen im Haar" und "Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte" zählen zu ihren bekanntesten Songs.

Große Erfolge und schwere Schicksalsschläge

Ihre größten Erfolge feierte sie mit Liedern, die Michel Berger für sie geschrieben hat, den sie 1976 heiratete − darunter "Tout pour la musique" und "Ella, elle l'a", das sich in Deutschland 1988 vier Wochen lang auf Platz eins halten konnte. Gall und Berger galten als Traumpaar. Berger starb 1992 im Alter von nur 44 Jahren, fünf Jahre später ihre Tochter Pauline. Die damals 19-Jährige litt an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose. Zu einem der seltenen Auftritte France Galls danach zählt ihr Duo mit Hallyday im Jahr 2000.

Von diesen Schicksalsschlägen erholte sich Gall nur schwer. Vor sechs Jahren tauchte sie aus ihrer inneren Katharsis auf. Das Leben mache ihr keine Angst mehr, erklärte sie damals.

Gall kehrte 2015 noch einmal ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zurück. Der Erfolg des Musicals "Résiste" ließ die Sängerin wieder an die Zukunft glauben. "Résiste" erzählte die Geschichte einer Discothek und ihrer Betreiber. Gall sang darin nicht, sondern trat als Erzählerin auf, die die Geschichte Revue passieren lässt. Und die rund 30 Hits wurden von Sängern interpretiert, die damals, als France Galls Songs um die halbe Welt gingen, noch gar nicht geboren waren.