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Die Heilkräfte der Kunst und ein Apotheker aus Seckach
Von Claudia Ihlefeld
Heilbronn - Als vor einem Jahr bekannt wurde, dass die Ernst-Franz-Vogelmann-Stiftung eine Sammlung mit 300 Beuys-Werken erworben hatte – für vergleichsweise günstige 1,6 Millionen Euro –, um sie den Städtischen Museen als Dauerleihgabe zu übergeben, war die Freude groß. So groß wie die Neugierde, wer der Sammler ist, der 30 Jahre lang Druckgrafiken und Multiples von Joseph Beuys gesammelt hatte.
Multiple ist in der zeitgenössischen Kunst die Bezeichnung für Auflagenkunstwerke, die, im Gegensatz zum nur als ein Exemplar existierenden Original, in industrieller Fertigung entstehen nach dem Entwurf des Künstlers. So gibt es den berühmten Filzanzug von Beuys zwar weltweit 80 Mal, aber einer hängt nun in Heilbronn. Und soll bald in einer adäquaten Umgebung präsentiert werden.
Richtig präsentieren Eine passende Präsentation wünscht sich auch Vorbesitzer Manfred Ballmann. Der Apotheker und Kunstsammler aus Seckach hatte ursprünglich daran gedacht, selbst den Beuys-Korpus zu präsentieren, bevor er den Werkkomplex an die Vogelmann-Stiftung verkaufte. An der Konzeption einer Beuys-Präsentation in Heilbronn soll der gebürtige Gundelsheimer allerdings mitarbeiten. Dass die Sammlung nun in Heilbronn ist, war ein Grund, der der Stadt die Entscheidung für einen Erweiterungsbau Kunsthalle leicht machte. Vergangene Woche wurden das Betreiberkonzept zwischen Kunstverein und Städtischen Museen sowie das Finanzierungsmodell für den Fünf-Millionen-Euro-Bau an der Harmonie dem Gemeinderat vorgestellt.
Im März 2010 soll zur Eröffnung der Kunsthalle die Beuys-Sammlung präsentiert werden und dann als Dauerausstellung in den Deutschhof wandern. Bevor die „Möglichkeiten einer sinnvollen Präsentation nicht ausgelotet“ sind, möchte Manfred Ballmann nichts über seine Beweggründe sagen – aus Rücksicht auf die Stiftung und seine Vorsitzende Ruth Reinwald.
Teil der Natur Manfred Ballmann schätzt den geistigen Gehalt im Werk von Joseph Beuys (1921-1986), der als politischer Visionär für die Gleichsetzung von Kunst und Leben eintrat und die Heilkräfte der Kunst zum Thema machte. Der Mensch als Teil der Natur ist zentral für das Denken von Beuys, das er auch auf die Medizin übertrug.
Ob Suggestionstherapie, Schamanismus oder Barmherzigkeitsbegriff, Beuys Idee von der Heilkraft der Kunst scheint den Apotheker Ballmann zu faszinieren, wie ein weiteres Sammlerinteresse nahe legt: Mit Georg Winter aus Stuttgart, mehrfacher Gast der Neuen Kunst im Hagenbucher, hat Ballmann die Aktion „Augentrost“ realisiert und in Kooperation mit Winter, Adi Hösle, ebenfalls ein Künstler aus dem Dunstkreis der Neuen Kunst im Hagenbucher, in Kassel „eine Katastrophenschutzübung für kulturelle Massenveranstaltungen“ durchgeführt, die psychosomatische und mentale Zustände untersucht, die beim Besuch eines solchen Massenevents auftreten. Das Paradox der Wahrnehmung ist auch Thema der hintergründigen Zeichnerin Romane Holderried Kaesdorf, die Ballmann gesammelt hat.
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