The Cure in Stuttgart: Heiter bis düster

Stuttgart  Die Dark-Wave-Legende The Cure präsentiert sich am Sonntagabend erstaunlich frisch in der ausverkauften Schleyer-Halle.

Von Heiko Fritze

Heiter bis düster

The Cure in Stuttgart: Robert Smith (links), Sänger und Gitarrist, gründete die Band 1978. Bassist Simon Gallup ist − mit zwei Jahren Unterbrechung − seit 1979 dabei.

Foto: Andreas Gugau

 

Er hat sich kein bisschen verändert. Fetter Kajal, verschmierter Lippenstift, schlabbriges, übergroßes Hemd und strubbelige Haare − Robert Smith sieht aus, als wäre er einfach nicht gealtert. Dabei hat der Sänger der britischen Dark-Wave-Legende The Cure schon 57 Jahre auf dem Buckel und längst Silberhochzeit gefeiert − in den Songs der Band geht es aber nach wie vor um Sehnsucht, Liebe, Trennung und Schmerz.

Cure-Konzerte sind inzwischen so selten, dass sie stets rasch ausverkauft sind. So auch in Stuttgart − 12.000 Fans füllen schließlich die Schleyer-Halle. Schwarz überwiegt zwar bei der Kleiderfarbe, doch längst nicht mehr alle Hörer der ersten Stunde bekennen sich auch noch mit ihrem Outfit zu ihren Gruftie-Zeiten. Dabei haben The Cure in Stuttgart den Schwerpunkt bei der Songauswahl eindeutig auf die düsteren Alben gelegt: Alleine neun Songs von ihrem größten Erfolg "Disintegration" haben sie im Gepäck.

Nur selten kommt richtig Bewegung ins Geschehen

Das reicht manchen Bands schon als reguläres Set − nicht so bei den Mannen um Smith und Bassist Simon Gallup: Satte 30 Songs bieten sie innerhalb von zweidreiviertel Stunden, drei Zugaben inklusive, die den Auftritt angesichts von insgesamt 16 Zusatz-Songs eher halbieren, als dass sie als kleines Zuckerle nachgeschoben werden.

Allerdings − ganz so schwermütig sind die Briten auch nicht mehr. Zwar wabert anfangs der Nebel, während das Keyboard-Intro von "Plainsong" das Konzert eröffnet. Bis auf Gallup − der Bassist gibt nicht nur dank seines Iron-Maiden-T-Shirts hier den Rocker − verharrt die Band auch stets an ihren Plätzen. Gitarrist Reeves Gabrels wirkt wie festgewachsen, während Smith die Texte manchmal geradezu zerbrechlich ins Mikrofon haucht.

Nur selten kommt richtig Bewegung ins Geschehen − zumal die Hits erst in der letzten Zugabe geliefert werden. Da sind sie dann aber alle dabei: "Friday I"m in Love", "Close to me", "Lovecats", "Boys dont"t cry" und zum Schluss "Why can"t I be you?".

Alles wie aus einem Guss

Post-Punk, Gothic, Wave und Pop − The Cure haben in ihrer Bandgeschichte verschiedene Stilrichtungen ausprobiert und sich nie festlegen lassen. An diesem Abend wirkt alles wie aus einem Guss. Und dazu braucht die Band nur die Hälfte der Bühnenfläche und kaum Lichteffekte. "Primary" und "A Forest" kommen weitaus rockiger daher, als es die Originalversion je hätte erwarten lassen. Sie zählen mit zu den Höhepunkten, übertroffen nur vom dröhnend-hypnotischen "Burn".

Sparsam werden Videos eingesetzt, die von der dreigeteilten Leinwand flimmern. The Cure brauchen keine opulente Show, keine Fan-Gesangseinlagen oder Mitklatsch-Orgien. Obwohl Robert Smith zwischendurch meint, er komme mit der Stimme nicht mehr in gewohnte Höhen, bleibt der Gesang überzeugend und kräftig.

Und die Band schafft es, trotz 30 Songs − bei der Tour hat sie inzwischen 62 verschiedene gespielt − nahezu alle Einsätze auf den Punkt zu treffen. The Cure sind eine der Legenden der Pop- und Wave-Ära der 80er. Sie haben an diesem Abend bewiesen, warum.
 

The Cure

Die britische Band wurde 1976 als Schülerband unter dem Namen Malice in Sussex gegründet und benannte sich 1978 in The Cure um. Von den Gründungsmitgliedern ist heute nur noch Sänger und Gitarrist Robert Smith übrig. Bassist Simon Gallup kam 1979 hinzu, pausierte aber von 1982 bis 1985. Heute gehören The Cure außerdem Roger O"Donnell (Keyboard), Jason Cooper (Schlagzeug) sowie Reeves Gabrels (Gitarre) an. The Cure haben insgesamt 13 Studioalben aufgenommen, zuletzt erschien im Jahr 2008 "4:13 Dream".